Meinung : Konjunktur: Jetzt sind die Optimisten gefragt

Heik Afheldt

Es könnte eine Wende zum Guten sein. Es könnte mit der Konjunktur wieder aufwärts gehen. Ein Signal kommt jetzt aus den Vereinigten Staaten. Alan Greenspan hat das siebte Mal, seit die Konjunktur zu kippen begann, an der Zinsschraube gedreht. 3,5 Prozent, so tief war der US-Leitzins schon lange nicht mehr. Der Hausbau wird billiger und die Investitionen werden es auch.

Aber warum soll die Konjunktur in Amerika diesmal den Wünschen des US-Notenbank-Präsidenten folgen und freundlich reagieren? Denn es sieht es so aus, als habe die geldpolitische Strategie Greenspans bislang wenig Gutes bewirkt. Im Gegenteil: Die Börsen stürzen weiter ab - und die Unternehmen enlassen ihre Mitarbeiter. Auch die jüngste Zinssenkung kann man negativ interpretieren. Das Vertrauen in einen Aufschwung ist offenbar noch nicht da. Tatsächlich aber gibt es eine Reihe guter Signale für eine Umkehr. Die Steuergeschenke George W. Bushs haben den privaten Konsum merklich gestützt. Der schwächere Dollar hilft den US-Exporteuren auf den Auslandsmärkten. Die Überkapazitäten werden in den viel flexibleren amerikanischen Märkten schnell - schneller als bei uns - abgebaut. Mit den Milliarden von Dollar auf den Geldkonten könnten bald wieder Aktien gekauft werden. Denn nach dem jüngsten Zinsschritt werden diese Gelder in ihrer Warteschleife noch schlechter verzinst.

Das zweite Signal zum Aufbruch könnte aus Deutschland kommen. Die Internationale Funkausstellung in Berlin, die am Wochenende beginnt, wird demonstrieren, dass es in der Internetökonomie beeindruckende und langfristig viel versprechende Märkte mit großen Wachstumsraten gibt - allem Abgesang auf die New Economy zum Trotz. Multimedia ist auf einem rasanten Eroberungszug durch die Länder dieser Welt. Die Digitalfotografie und die neue Generation von Handys mit Farbmonitoren und Internetanschluss versprechen gute Gewinne für die gebeutelte Industrie.

Alles nur Prinzip Hoffnung, eine Rückenstärkung für den verständlichen Optimismus des Wirtschaftsministers Werner Müller, der den Aufschwung im vierten Quartal 2001 gesichtet hat, oder gar eine voreilige Wahlhilfe für den Kanzler? Nein. Denn aus München kam am Mittwoch noch eine Überraschung: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist nach langer Talfahrt jetzt zum ersten Mal wieder gestiegen. Dahinter steht eine Reihe von positiven Befunden. Fakten sind zwar ein wenig aus der Mode gekommen, aber sie zählen immer noch. Und da darf man schon wahrnehmen, dass die Inflation sich allenthalben auf dem Rückzug befindet, die erhofften Wirkungen der Steuerreform damit zaghaft zurückkehren. Der Euro gewinnt endlich leicht an Ansehen und Wert. Der Euroraum wird wieder Ziel für Investoren. Die notleidende deutsche Bauwirtschaft verspürt einen leichten Hauch von Aufwind. Und - kaum mehr zu hoffen und zu glauben - die Regierung entlastet die Wirtschaft ein wenig, indem sie die ungünstigeren neuen Abschreibungstabellen noch nicht einführt. Und schließlich wird die Europäische Zentralbank in der kommenden Woche auch noch ein positives Zinssignal in die Wirtschaftslandschaft senden. Das alles sind Taten, die den Abschwung stoppen und die Wende einleiten könnten.

Aber sicher ist leider gar nichts. Denn irgendwie ist den meisten Akteuren der Mut abhanden gekommen. Es fehlt noch immer einer, der überzeugend ruft: Jetzt geht es wieder aufwärts - und viele folgen. Der Schock aus den vielen Verlusten in den vergangenen Monaten sitzt eben tief.

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