Meinung : Konkursabwickler

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Dieser Mann ist nicht zu beneiden. Jens Böhrnsen, Bremens künftiger Bürgermeister, soll ein Gemeinwesen führen, das wohl längst Insolvenz anmelden müsste, wenn es ein Privatunternehmen wäre. Ohne stärkere Hilfen von außen ist der Stadtstaat nicht überlebensfähig. Aber die anderen Länder und der Bund haben schon so viel Geld fließen lassen, dass die von Böhrnsen geplanten neuen Verhandlungen wohl zum Scheitern verurteilt sind – ebenso wie die bereits unter Henning Scherf beschlossene neuerliche Verfassungsklage auf bessere Finanzausstattung. Also muss Bremen noch mehr einsparen als bisher. Aber wo? NochFraktionschef Böhrnsen plädiert schon lange dafür, den Rotstift weniger beim Sozialen, sondern mehr bei Wirtschaftsförderung und Straßenbau anzusetzen, also in den Ressorts des Koalitionspartners CDU. Bisher konnte er sich damit nicht durchsetzen. Ob ihm das als Regierungschef besser gelingt, ist zweifelhaft. Vor allem würde auch dieses Rezept den Patienten Bremen nicht kurieren. Immerhin strahlt der bislang wenig bekannte Sozialdemokrat etwas aus, das manch anderen Politikern fehlt: Solidität, soziales Gewissen und Glaubwürdigkeit. Zumindest mit diesem Pfund wird er wuchern können. Und spätestens, wenn er nach der Bürgerschaftswahl 2007 vielleicht Bremens erste rot-grüne Koalition gründet, werden die Menschen bei der Erwähnung seines Namens nicht länger fragen: „Jens wer?“ stg

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