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Kontrapunkt : Berlins Piraten sind schon fast zu normal

17.11.2011 17:13 Uhrvon
Mit 8,9 Prozent der Stimmen wurden die Piraten in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt - ein Sensationserfolg. Doch davor und danach machten die Neulinge auch mit vielen Pannen von sich reden. Wir zeigen, was alles geschah.Bilder
Mit 8,9 Prozent der Stimmen wurden die Piraten in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt - ein Sensationserfolg. Doch davor und danach machten die Neulinge auch mit vielen Pannen... - Foto: dpa

Palästinensertuch im Parlament, Vetternwirtschaft, E-Mail-Panne: Berlins Piraten landen eine Lachnummer nach der anderen. Doch der einzige Skandal bleibt, dass sie noch immer keinen produziert haben. Jedenfalls keinen echten.

Große Freude aller Orten: Die Piraten sind doch zu blöd! Der eine trägt ein peinliches Palästinensertuch, die andere hat Arbeit für ihren Freund, der nächste ein salziges Profilbild bei Twitter - also echt, wenn das mal nicht ein Skandal nach dem nächsten ist.

Und dabei ist noch nicht erwähnt, dass der Spitzenkandidat sich beim Schuldenstand Berlins um ein paar dutzend Milliarden verschätzte und die Fraktion vertrauliche E-Mail-Adressen von Bewerbern im Sinne eines komplett transparenten Datenschutzes gleich in einen großen Verteiler einspeiste.

Gemessen an den Reaktionen auf diese Vergehen müssten eigentlich alle Piraten für immer und ewig zurücktreten, zumal die Bild-Zeitung gleich wie mit der dicken Berta losgeballert hat: Aufmacher auf der Titelseite. Treffer - versenkt?

Achjechen. Eine Lachnummer nach der nächsten. Wer hat denn erwartet, dass die Piraten sich gleich benehmen wie die… äh, also wie die… die anderen eben?

Da hat also die Piratin Susanne Graf, jüngste aller Abgeordneten, doch tatsächlich ihren Freund als Sachbearbeiter einstellen wollen, für 580 Euro im Monat. Vetternwirtschaft! Das kann bei anderen Parteien gar nicht vorkommen. Außer bei den Grünen, wo Partei und Fraktion um ein Haar bei Dirk und Daniel Hand in Hand gelandet wären; außer bei der Linken, wo Oskar und Sahra in Love in ihrem Küchenkabinett die Parteiführung untereinander ausmachen; außer bei der FDP, wo der Guido seinen Michi zum Geschäftemachen auf Auslandsreise mitnimmt. Über die CDU sprechen wir hier mal lieber nicht; sonst bleibt’s hier nicht jugendfrei.

Da hat also der Abgeordnete Simon Weiß, 26, für ein Foto so getan, als würde er Speisesalz schniefen. Drogenskandal! Und so was will ein Vorbild sein! Aber will er überhaupt? Und für was denn? Soll er sich lieber volllaufen lassen wie die Delegierten eines jeden ordentlichen Parteitags der bürgerlichen Parteien? Soll er sich vorbildlich als verheirateter Moralapostel mit einer Geliebten ablichten lassen? Soll er öffentlich abschwören: „I didn’t inhale!“? Damit könnte er sogar noch Präsident werden.

Selbstverständlich hat sich auch vor den Piraten noch nie, also wirklich noch nie irgendein Abgeordneter vermailt oder sich etwa bei Milliardensummen vertan, außer vielleicht ein paar Parlamentarier von CDUCSUSPDFDPGRÜNELINKE bei der Antwort auf die simple Frage, um wie viel Geld es bei dem Rettungsschirm ging, über den sie gerade abgestimmt haben; aber um die geht es hier ja nicht, die anderen, egal, ob sie nun Palästinensertücher tragen oder irgendwelchen Despoten die Füße küssen oder ausländerfeindliche Reden halten oder sonst etwas tun, das sie für normal halten. Hier geht es um die Piraten! Und die sind fast schon zu normal, um wahr zu sein. Denn das ist wirklich der einzige Skandal, den man ihnen, die doch so anders sein wollen und doch auch deswegen gewählt worden sind, vorwerfen kann: Dass sie noch immer keinen produziert haben. Jedenfalls keinen echten.

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