Kontrapunkt : Der Trost der Nachhaltigkeit

Wenig Positives gibt es dieser Tage zu berichten. Die Regierenden in Bund und Ländern stehen vor großen Herausforderungen. Dazu gilt es, einen Vorrat an Glaubwürdigkeit anzulegen. Die Grünen zeigen gerade, wie es geht.

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Grüner Protest gegen Atomkraft.
Grüner Protest gegen Atomkraft.Foto: dpa

Wo bleibt das Positive? Wo findet sich eine Trost spendende Entwicklung? In diesen Tagen, in denen von Umweltkatastrophen jedweder Art die Rede ist, dazu von Mord und Totschlag und, bei uns vor der Haustür, von brennenden Kinderwagen. Ja, und gerade für die Kinder: Knut… Ach weh.

Ratlos wirkt die Politik, haltungslos, orientierungslos, wetterwendisch. International, national, alles eins in dieser Hinsicht. Politik verhält sich genauso, wie sich Klein-Fritzchen das vorstellt. Man müsste mal mitstenografieren, was diese Leute über den Tag so reden; und was sie dann am folgenden noch davon wissen wollen. Wenn es doch nur so etwas gäbe wie die Konferenz der Tiere, die Erich Kästner beschrieb; nachdem die Menschen es doch nicht alleine zu schaffen scheinen.

Aber im Ernst: Die zu besichtigende Legitimitätskrise führt entweder zur Politisierung der Gesellschaft, mit unbekanntem Ausgang, oder zur Entpolitisierung vieler, vieler Einzelner, wegen der sogenannten Politikerverdrossenheit. In Sachsen-Anhalt haben mehr Bürger gewählt als zuvor - aber eben auch, prozentual gesehen, erschreckend viele NPD. Was werden Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am kommenden Wochenende bringen?

Mindestens ein wenig mehr Klarheit über das politische Schicksal der jetzt Regierenden, sowohl in den Ländern als auch im Bund. Von B wie Beck über M wie Mappus mit Merkel zu W wie Westerwelle - in diesen verbleibenden Tagen müssen sie das schaffen, was zu schaffen sie bisher nicht vermochten: Sie müssen einen Vorrat an Glaubwürdigkeit anlegen. Und zugleich an Argumenten für ihre (relative) Unersetzlichkeit.

Ist das nicht positiv? Doch. Denn die Herausforderung zu benennen und zu erkennen, ist der der erste Weg, sie anzunehmen. Das könnte über den einen Tag, den Wahltag, hinaus wirken. Dass die nachhaltige Bewirtschaftung eines Themas Erfolg versprechen kann, über Dürreperioden hinweg helfen kann, sich auszahlen kann, zeigen gegenwärtig die Grünen. Deren Aufschwung ist verdient, so lange, wie sie sich mit dem Thema Atomkraft und ihren Folgen beschäftigen. Sie haben es im Blick auf die Ökologie begonnen, fortgeführt wird es inzwischen auch schon seit Jahren mit einem zweiten auf die Ökonomie. So erst wird Veränderung zum Besseren möglich: mit Nachhaltigkeit und mit der Bereitschaft, nicht beim einmal Erkannten und Benannten stehen zu bleiben.

An die Möglichkeit des Unmöglichen zu glauben, ist auch eine Form des positiven Denkens. Und die Hoffnung soll man ja nie aufgeben. Denn Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage. Sagte Karl Jaspers, und der konnte denken und deuten. Auch das Positive im Negativen.

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