Kontrapunkt : Die Koalition der Gegner

Sigmar Gabriel will eine starke FDP. Angela Merkel kämpft dagegen leidenschaftlich gegen den eigenen Koalitionspartner. Politik paradox? Nein, alles pure Wahl-Arithmetik, meint Malte Lehming.

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Angela Merkel sagt wo es langgeht. Foto: dpa
Angela Merkel sagt wo es langgeht.Foto: dpa

Die FDP treibt’s mit jedem. Das lehrt die Geschichte. Vor dreißig Jahren stiegen die Liberalen aus dem Koalitionsbett der SPD und krabbelten unter die Daunendecke von Helmut Kohl. Heute würde die traditionsreiche Swingerpartei den Weg zurück gehen und sich die Füße an Herrn Gastein wärmen. Es ist das Genscher-Gen. Herr Gastein heißt übrigens so, weil es zu mühsam ist, wegen der chronischen Entscheidungsschwäche der SPD stets die Namen Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück ausschreiben zu müssen.

Insofern brachte das vorvergangene Gauck-Nominierungs-Wochenende zwar keinen Erkenntniszuwachs, aber doch das Gefühl, dass selbst alte Erfahrungen, wenn sie entsprechend theatralisch aktualisiert werden, reicher machen können. Rückblickend kommt man zum Ergebnis, dass jenes legendäre Wochenende den Beginn des nächsten Bundestagswahlkampfes markiert.

Der wiederum dürfte eine ganz eigene, durchaus spannende Dynamik entfalten. In ihrem Zentrum steht die Frage, ob die FDP in den Bundestag einzieht. Dafür kämpft leidenschaftlich Sigmar Gabriel – und Angela Merkel dagegen. Ball paradox? Nein, pure Arithmetik!

Wie ist die Lage? Legt man einigermaßen konstante Umfragewerte zugrunde, gibt es drei realistische Machtoptionen: Schwarz-Grün, Große Koalition unter Führung der Union und eine Ampel von SPD, Grünen und FDP. Piraten und Linke scheiden als Partner aus, da die Zeiten für Politexperimente zu stürmisch sind. Als da sind Schuldenkrise, Irankonflikt, Auswirkungen der Arabellion auf Europa, plus diverse Imponderabilien, die jedem Herrn Gastein, wer immer es wird, das Liebäugeln mit erratischen Elementen verbietet. Schwarz-Gelb ist höchst unwahrscheinlich, eine rot-grüne Mehrheit ebenso wenig in Sicht - die SPD hat es sich im Stimmungstief häuslich eingerichtet, die Grünen sind im Abstieg.

Anders gesagt: Wenn Gastein Kanzler werden will, braucht er die FDP. Die Genossen im Seeheimer Kreis sagen es schon offen, ein Altgrüner wie Joschka Fischer rechnet ebenfalls damit, und in der FDP freut sich so mancher über das reaktivierte Swingertum.

Doch, was weitaus dramatischer ist: Wenn Merkel Kanzlerin bleiben will, muss sie verhindern, dass die Liberalen über die Fünfprozenthürde kommen. Ihr Hauptgegner  im Wahlkampf ist der eigene Koalitionspartner, die FDP.

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