Kontrapunkt : Diese WM hat mehr geweckt als Emotionen

Die Japanerinnen gewinnen die Frauenfußball-WM und die deutschen Spielerinnen jubeln auf der Tribüne. Friedhard Teuffel findet das gut. Und es ist nicht das einzige Positive, was er diesem Turnier abgewinnen kann.

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Die Weltmeisterinnen. Japan gewinnt ein dramatisches Endspiel gegen die USA.Weitere Bilder anzeigen
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17.07.2011 21:48Die Weltmeisterinnen. Japan gewinnt ein dramatisches Endspiel gegen die USA.

Diese Fußball-WM der Frauen hat am Ende sogar noch ein kleines Wunder bewirkt: Sie hat am Boden zerstörte Spielerinnen wieder zum Feiern gebracht. Zu sehen im Finale in Frankfurt am Main, als die vorzeitig ausgeschiedenen deutschen Fußballerinnen auf der Tribüne über japanische Tore jubelten. Ob sie es mit dem Hintergedanken taten, dass ihre Niederlage gegen die Japanerinnen im Viertelfinale weniger schmerzt, wenn ihre Gegnerinnen mit dem WM-Titel nach Hause fahren? Oder weil sie die amerikanischen Spielerinnen nicht leiden können? Oder weil sie wie so viele den Außenseiterinnen aus Asien die Daumen gedrückt haben? Im Grunde ist das egal. Diese WM hat auf jeden Fall Emotionen geweckt. Das ist ihre größte Leistung.

Leidenschaftslos – das war bisher die weit verbreitete Haltung zum Frauenfußball. Sollen sie doch spielen. Als es vor drei Wochen losging, kam dann Neugier hinzu und noch etwas Patriotismus. Ist ja eine WM im eigenen Land, bei der die Deutschen auch noch Turnierfavorit sind. Kann man sich ja mal anschauen. Ein Eigenleben hat diese Weltmeisterschaft jedoch erst nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft entwickelt. Sie hat fasziniert wie jedes große spannende Sportereignis.

Heldinnen hat sie hervorgebracht, glückliche und tragische. Vielleicht kennen heute fast genauso viele Menschen in Deutschland Homare Sawa wie Kerstin Garefrekes. Die WM hat Dramen inszeniert, bis zum Schluss, als das Finale nicht mit einem einseitigen 3:0 entschieden wurde, sondern mit einem Elfmeterschießen. Und sie hat etwas erzählen können über Motivation und Siegeswillen und die Angst vor dem Verlieren.

Dem deutschen Team hing der Auftrag, Frauenfußball in Deutschland zum Massensport zu machen und mehr Gleichberechtigung zu erreichen als Clara Zetkin und Alice Schwarzer zusammen, wie Blei in den Beinen. Die Japanerinnen hatten auch ein großes Ziel: ihrem Land wieder einen Erfolg zu bescheren, etwas Aufbauendes. Doch ihre Motivation kam von innen, die der Deutschen von außen. Das war der entscheidende Unterschied.

So interessant all die Diskussionen rund um die WM waren über Frauen im Sport, Frauen in der Gesellschaft, über Rollenbilder und Vorurteile – der Fußball hat sie am Ende an den Rand gedrängt. Wenn es um einen großen Titel geht, die Stadien voll sind und Menschen mitspielen, mit denen man sich freuen kann, funktioniert ein Turnier einfach. Ganz gleich, ob Männer oder Frauen auf dem Platz stehen.

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