Kontrapunkt : Ein Award für Koch-Mehrin

Das Netz ist nicht "politisch", "kreativ" oder "innovativ", wie es in der Begründung für den Online-Award für "Guttenplag Wiki" heißt, findet Lorenz Maroldt. Es ist die Metaplattform des Plagiats.

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Spieglein, Spieglein in der Hand, wer ist der beste Forschungspolitiker im Land?
Spieglein, Spieglein in der Hand, wer ist der beste Forschungspolitiker im Land?Foto: dapd

Das Grimme-Institut hat die Internet-Plattform „GuttenPlag Wiki“ mit einem Preis in der Kategorie Spezial ausgezeichnet. Zur Begründung heißt es, die Website habe wesentlich zur Aufdeckung der Plagiate in der Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsminister Guttenberg beigetragen. Grimme-Direktor Uwe Kammann erklärte dazu: „Das Netz ist politisch, kreativ, innovativ und dazu ein wichtiges Element einer kollektiven Kontrolle und individueller Teilhabe.“

Leider ist daran eigentlich alles falsch. Nicht die Website hat die Affäre ins Rollen gebracht, sondern ein Bremer Rechtswissenschaftler, und darüber berichtete zuerst ein Medium, bei dem die Buchstaben noch in geschältes Holz geritzt werden. Dann war es im weiteren Verlauf auch weniger die Website selbst, die das Guttenbergsche Nachdruckwerk - und das einiger anderer, aber das ist eine andere Geschichte und eine andere Website - verglichen hat, sondern jeder einzelne der vielen personifizierten Suchmaschinen. Außerdem ist das Netz weder politisch, kreativ oder innovativ, noch ist es ein wichtiges Element einer kollektiven Kontrolle und individueller Teilhabe. Das Netz ist nichts davon, es ist bloß ein Medium, das genutzt werden kann, durchaus auch unpolitisch, uninspiriert oder zur kollektiven Verleumdung (siehe Isharegossip) und damit zur individuellen Verbannung. Vor allem kann das Netz zum Urheberrechtsmissbrauch genutzt werden, zum Beispiel durch das illegale Kopieren von Musik zur kostenlosen Erstellung einer Listensammlung oder von Texten zum Verfassen einer Doktorarbeit.

Dass „Guttenplag Wiki“ den Online-Award bekommt unter dem Geschwurbel einer pseudoreligiösen Anbetung von Breitbandverbindungen, ist entweder fein ironisch oder grob zynisch, vielleicht auch nur egal. Genauso ironisch, zynisch oder egal wie die Tatsache, dass die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin ohne ihren Doktortitel, der ihr ja wegen erwiesener Plagiate von der Universität Heidelberg aberkannt wurde, jetzt in den Forschungsausschuss des Europaparlaments berufen wurde. Warum denn auch nicht? In der Politik kann doch ohnehin jeder alles. Wenn also das Netz, die Metaplattform des Plagiats, gerühmt wird vom Grimme-Direktor, dann soll meinetwegen auch Frau Dr.ex Koch-Mehrin, die Platitüdenmechanikerin der FDP, in die Forschungspolitik abtauchen.

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