Kontrapunkt : Frauenfußball: Oh, wie ist das schön

Es sah aus, als hätte man Ballack und Frings geklont - so hart und interessant war das Eröffnungsspiel. Stephan-Andreas Casdorff lässt sich mitreißen vom Frauen-Fußball-Fieber in Deutschland. Und möchte eine Beteiligte gerne mal zu den Männern schicken.

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Großer Kampf im Olympiastadion. Die Deutsche Simone Laudehr und die Kanadierin Jonelle Filigno.
Großer Kampf im Olympiastadion. Die Deutsche Simone Laudehr und die Kanadierin Jonelle Filigno.Foto: Reuters

Soll ich Ihnen mal was erzählen? Als die Fußball-Nationalmannschaft, äh, -frauschaft, loslegte, bin ich doch nervös geworden. Also vielleicht nicht nervös, aber es gab da diese seltsame Spannung. Hymne und Präsident (nein, ich meine nicht den der Fifa, dessen Namen man am besten noch nicht mal mehr nennt, sondern unseren Bundespräsidenten), die Kanzlerin, Theo Zwanziger vom DFB, das Stadion voll: Ach ja, seien wir ehrlich, dann geht’s doch los. Fußball-Fieber!

Meine Frauen zuhause haben auch gemeint, dass ich verrückt geworden sein muss. Oder, umgekehrt wird auch ein Fußballschuh draus, vernünftig. Denn Mann kann Frauen-Fußball ja auch gut finden. Gott, ich habe gebrüllt bei den – vielen vergebenen – Chancen! Und immer wieder heimlich gedacht: Welche Männermannschaft in welcher Liga könnte jetzt mithalten?

Was den Körpereinsatz angeht, haben die Frauen einander nichts geschenkt, das sah aus, als hätte man Ballack und Frings geklont. Pardon, schon wieder der Männervergleich, aber mir kam in den Sinn, dass der Fifa-Präsident (Sie wissen schon, der) mal gemeint hat, die Frauen sollten doch ein wenig weiblicher auftreten. Mit Röckchen womöglich. Und dann holen sie die Sense raus und mähen ihre Gegenspielerin um oder brechen einander das Nasenbein. Was macht eigentlich Dieter Hoeneß? Diese kanadische Stürmerin, Sinclair hieß sie, die hätte wahrscheinlich auch mit dem Kopf unterm Arm weitermachen wollen. Sie hat dann ja auch noch ein Tor gemacht.

Nur manchmal, in der ersten Halbzeit, sah das Spiel aus wie bei den Männern in den 80er Jahren: Kompakt draufgehen in der Verteidigung, lange Bälle nach vorne, eine läuft sich frei. Oder nicht. Die Kanadierinnen wirkten in der Phase eleganter, ball- und passsicherer, eher dran an One-Touch und dem spanischen Kreiseln. Aber Silvia Neid hat es auf den Punkt gebracht, ehrlich, ohne Umschweife, ohne Äh und Hm: Sie sind erst nicht ins Spiel reingekommen, und als sie besser wurden, gut wurden, der Ball lief und die Gegnerinnen hinterher, gab es keine Tore mehr.

Es gibt Hoffnung, dass deutsche Dominanz nicht nur vom Körperlichen kommt, sondern auch vom Spielerischen. Und dass Neid ihr Prinz-Problem besser löst als Joachim Löw seinen Ballack-Fall. Gut, dass Prinz spielte, gut, dass sie sehen konnte, ob es reicht für die Elf; vielmehr, dass es nicht reicht. Weil Prinz Psychologie studiert hat, wird sie Neid schon verstehen, so wie Neid sich eher als Löw auf Psychologische versteht. Das ist schon mal besser als bei Ballack.

Und darum werden Sie vielleicht verstehen, warum ich dafür bin, dass Neid mal statt Löw die Mannschaft trainiert. Die Mann-schaft. Muss ja nicht für ewig sein. Aber es könnte spannend werden.

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