Kontrapunkt : Putin und seine deutschen Komplizen  

Was hat der deutsche Atomausstieg mit Putins politischer Stärke zu tun? Nichts? Doch, sagt Malte Lehming. Unser Atomausstieg bedeutet für Russlands Wirtschaft Stärkung in schwierigen Zeiten.

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In jeder Lage perfekt inszeniert: Wladimir Putin hat alles fest im Griff.Weitere Bilder anzeigen
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17.08.2011 11:20In jeder Lage perfekt inszeniert: Wladimir Putin hat alles fest im Griff.

Russland ist keine lupenreine Demokratie. Doch weil die Deutschen aus der Atomkraft aussteigen, brauchen sie bald noch mehr Erdgas von Gazprom. Das wiederum stärkt die Machthaber im Kreml. Wenn sich der Junkie über den Dealer beschwert, will er meist nur von der eigenen Charakterschwäche ablenken. Das Gebaren des Bösen soll vergessen machen, welchen Anteil an dessen Macht seine von ihm abhängigen Komplizen haben. Wann immer die Rede in Deutschland auf Russland und Wladimir Putin kommt, ballern die heimischen lupenreinen Demokraten aus vollen Rohren.

Deren Kritik ist inzwischen fast so vehement wie einst die der Springer-Presse gegenüber der Sowjetunion. So auch jetzt wieder. Im kommenden Jahr will Putin erneut Präsident werden, womöglich bleibt er es bis 2024. Und schon rattert es im Karton. Autoritär, autokratisch, neo-hegemonial, Willkürjustiz, Korruption, Journalistenermordungen, Oppositionsunterdrückung: Alles wird ausgepackt, was sich derzeit – zu Recht – über Russland und Putin sagen und beklagen lässt.

 Bloß: Wer trägt maßgeblich mit dazu bei, dass Putin und die Seinen nach Herzenslaune schalten und walten können? Na klar, die Deutschen! Besser gesagt: die Atomangst der Deutschen. Noch besser: der Atomausstieg der Deutschen. Denn über kaum eine internationale energiepolitische Entscheidung haben sich die Russen in jüngster Zeit mehr gefreut. Schon jetzt werden etwa 40 Prozent unseres Gas- und gut 30 Prozent unseres Ölbedarfs aus Russland gedeckt. Und stetig steigt der Anteil der deutschen Stromerzeugung, der aus Erdgas gewonnen wird. Ab Ende des Jahres wird die neue Direktpipeline („Nord Stream“) die Importe weiter erhöhen. Immer noch bilden die Einnahmen aus den Energieexporten das Fundament der russischen Wirtschaft. Je mehr Gas die Deutschen von den Russen kaufen, desto stärker darf sich Putin fühlen.

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