Kontrapunkt : Respekt!

Christian Wulff hatte es zum Hauptthema der Ansprache an die lieben Landsleute gemacht. Respekt! Der Ratschlag für Demokratie ist unverändert, Minderheiten zu respektieren, Mehrheiten aber auch, und dann eine gemeinsame Sache daraus zu formen.

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Auch Kinder wünschen sich Respekt
Auch Kinder wünschen sich RespektFoto: dpa

Das kann das Wort des Jahres werden – wenn wir es ernst nehmen: Respekt. Im Sinne von Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung, darüber hinaus in dem der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und, im ganz besonderen Fall, der Ehrerbietung.

Der Bundespräsident hat es, viel zu wenig beachtet, vor dem Jahreswechsel zum Hauptthema seiner Ansprache, seiner ersten, an die lieben Landsleute gemacht. Respekt! Denn manche werden nun wieder einwenden, dass das ein bisschen viel verlangt sei, wo ihnen doch selbst so oft der Respekt versagt oder vorenthalten werde, ob im Umgang mit ihnen als Person oder mit ihrer Leistung, was den Lohn betrifft oder im Hinblick auf die Stellung, die sie bekleiden. Oder die Rolle, die sie im Leben anderer spielen.

Das ist ja alles ein häufiger zu hörender Unmut. Sich Respekt zu erwerben oder respektiert zu fühlen, ist tatsächlich und nicht selten auch eine Frage der subjektiven Wahrnehmung. Das jeweils ausreichende Maß kann allerdings mit frischem Mut in diesem Jahr durchaus für jeden ein Thema sein oder werden; dazu eines, das mit dem gebotenen Respekt unter allen genannten Vorzeichen mit anderen auf welcher Ebene auch immer erörtert werden kann. Am besten verbunden mit der Aufmerksamkeit, die Wertschätzung deutlich macht.

Berücksichtigung müssen auch die finden – und darum wird es diesem Bundespräsidenten wohl in seiner gesamten Amtszeit gehen –, die inzwischen ebenfalls zu Deutschlands Lebenswirklichkeit gehören: Wie oft ist auf den Straßen der multiethnischen Hauptstadt das Wort Respekt zu hören. Das Gefühl der Unterlegenheit und Geringschätzung äußert sich dann in der im Ton herrischen Forderung, verdammt noch mal respektiert zu werden. Dem kommen wir nicht bei, indem die Forderung satirisch-kabarettistisch verballhornt wird. Oder, um nicht zu moralinsauer zu klingen: So kann man darüber lachen, aber eben keine Politik machen. Der Ratschlag für Demokratie ist darum unverändert, Minderheiten zu respektieren, Mehrheiten aber auch, und dann den Versuch unternehmen, eine gemeinsame Sache daraus zu formen, die Grenzen des anderen im Sinn.

So gesehen ist das nicht neu. Aber es war gut, daran vom ersten Bürger des Landes erinnert zu werden. Und wer noch gute Vorsätze für 2011 sucht… der könnte seinen hernehmen. Wem das aber zu viel wird, zu viel an Gemeinplatz, für den gibt es jetzt das Zitat der wirklich bedeutenden Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, Autorin von psychologischen Erzählungen: „Respekt vor dem Gemeinplatz! Er ist seit Jahrhunderten aufgespeicherte Weisheit.“ Möge das zumindest für den Augenblick reichen.

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