Kontrapunkt : Schwarz-Gelb droht 2011 Desaster

Mindestens sieben Landtagswahlen stehen uns 2011 bevor. Es sprießen rot-grüne Herrschaftsträume. Und fast überall sieht es duster aus für Schwarz-Gelb, meint Stephan-Andreas Casdorff im heutigen Kontrapunkt.

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Trübe Aussichten. Holt sich Westerwelle bei der Kanzlerin Rat, wie er die schwierigen Zeiten überstehen kann?
Trübe Aussichten. Holt sich Westerwelle bei der Kanzlerin Rat, wie er die schwierigen Zeiten überstehen kann?Foto: dpa

Wer die Wahl hat, hat die Qual – das ist ein Kalauer, stimmt. Schon so oft gehört und gelesen, dass man ihn eigentlich gar nicht mehr verwenden sollte. Stimmt auch. Aber… Es gilt eben nicht nur für den Bürger, Wähler, den Souverän, wie es so schön heißt, also für uns Normalsterbliche, sondern auch für die, die gewählt werden wollen, die Politiker. Und nächstes Jahr wird es eine besondere Qual für die.

Sieben Landtagswahlen stehen an, vielleicht sogar acht, dann nämlich, wenn sich Nordrhein-Westfalen so entwickeln sollte, dass dort Neuwahlen notwendig werden. Nebenbei gesagt: Es könnte sein, dass Rot-Grün das sogar anstrebt, weil weder die CDU noch die FDP dort in guter Verfassung sind. Sie sind diesmal klar zu schlagen. Aber das kann sich auch wieder ändern, drum wird es sich die amtierende Minderheitsregierung gut überlegen, ob sie wartet. Ewig von der Linken dort abhängig zu sein, ist auch kein hehres politisches Ziel.

Sei’s drum, siebene sind es zwar nicht auf einen Streich, aber in einem Jahr. Und fast überall sieht es duster aus für Schwarz-Gelb. Diese Bundesregierung kann ein Desaster erleben, nicht zuletzt die CDU. Sie kann die Macht verlieren, wo sie die hat, in Hamburg, in Sachsen-Anhalt, ja, auch in Baden-Württemberg; und sie kann noch weiter verlieren, wo sie ohnehin schon verloren hat. Die FDP wiederum, die jahrelang über Wert gewonnen hat, wird fast überall unter Wert geschlagen werden. Will heißen: Sie muss ums Überleben kämpfen.

Guido Westerwelle hat die freidemokratische Partei in höchste Höhen gebracht; jetzt droht ihm ein Absturz wie Ikarus, und mit ihm der FDP. Nur Angela „Teflon“ Merkel, wie die US-Diplomaten sie nennen, würde wohl auch den Machtverlust in Baden-Württemberg überstehen. Denn, seien wir ehrlich: Wer soll’s machen? Es ist doch keiner mehr da von den altbekannten Herausforderern. Und die jungen sind zu jung. Außerdem hat die CDU keinen wie die FDP, keinen wie deren Generalsekretär Christian Lindner, von dem sogar die alten Sozialliberalen ganz angetan sind.

Aber das bedeutet andererseits nicht, dass SPD und Grüne sich quasi automatisch auf dem Weg zurück in die Bundesregierung befinden. Wer so hoch gehandelt wird wie die Grünen, in den zwanziger Prozenten, der kann nur enttäuschen. Wo einmal Enttäuschung nistet, ist sie so schnell nicht zu vertreiben. Und die SPD reibt sich immer noch auf im Kampf zwischen CDU und Grünen. So links wie die Linken kann sie nicht sein, so grün wie die Grünen nicht, die CDU will die SPD links und rechts einmauern. Das ist eine wenig komfortable Lage, auch und gerade für ihre Chefs.

Ja, aber wer nun Mitleid hat mit den Politikern, der ist ein freundlicher Mensch. Erstens muten sie uns alle doch einiges zu, wie das vergangene Jahr zur Genüge gezeigt hat, zweitens: Politik ist ein Amt auf Zeit; ist keine Lebensstellung; ist kein Lehrberuf; erfordert Mut und Demut. Das kann zur Qual werden, keine Frage. Aber auch sie haben ja die Wahl.

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