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Kontrapunkt : Was Erdogan und Sarrazin gemeinsam haben

02.11.2011 16:13 Uhrvon
Hand aufs Herz. Recep Tayyip Erdogan spricht anlässlich des 50. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens.Bild vergrößern
Hand aufs Herz. Recep Tayyip Erdogan spricht anlässlich des 50. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. - Foto: Reuters

Alles feiert, aber einer faselt von den "Genen". Anna Sauerbrey über frappierende Ähnlichkeiten im Denken des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und Thilo Sarrazins.

Es hätte so schön sein können. Zum 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei kuscheln sich die Menschen eng aneinander. Deutsche mit deutschen Eltern, Deutsche mit türkischen (Groß-) Eltern, in Deutschland lebende Türken, hach, alle eins. Gemeinsam haben wir gewirtschaftswundert, Fremdenfeindlichkeit ertragen und überwunden, Gartenzwerge und Döner schätzen gelernt. Zur Feier des Tages wurde das Wort „Gastarbeiter“ endgültig aus dem Duden der politisch korrekten Sprache gestrichen.

Und Thilo Sarrazin musste während der großen Sause abseits des Lagerfeuers sitzen, gefesselt und geknebelt wie der gallische Barde Troubadix.

Abseits? Geknebelt? Ist da nicht eine Stimme zu hören, die von „Genen“ faselt, vom Primat der „eigenen Sprache“, vom Bewahren der eigenen Kultur? Es ist nicht Sarrazin, der da die feierliche Harmonie mit schiefen Tönen stört, sondern der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Doch die Ähnlichkeit im Denken ist frappant.

Sarrazin hat den Vorwurf, sein Buch sei biologistisch, es reduziere die Menschen auf ihre genetischen Anlagen und spreche ihnen ein individuelles Potenzial ab, zwar bestritten. Doch im umstrittensten Kapitel seines Buches, jenem über „Demografie und Bevölkerungspolitik“, schreibt er vom „Volk in seiner kulturellen und physischen Eigenart“ und sinniert über dessen demografische Zukunft. „Wer dem Umstand, dass es eine deutsche Sprache und Kultur gibt, keinen eigenen Wert zumisst“, schreibt Sarrazin, „dem kann es auch gleichgültig sein, ob es künftig Menschen gibt, die diese Sprache und Kultur weitertragen.“ Er macht sich Gedanken zur Verringerung der durchschnittlichen Intelligenz durch die unterschiedlichen Geburtenraten unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. Kurz: Er denkt den Menschen von der Herkunft her.

Lesen Sie auf Seite 2, was dafür spricht, das auch Erdogan der Sarrazin'sche Kulturdarwinismus nicht fremd ist.

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