Kontrapunkt : Wowereit sollte die Piraten einbinden

Für Rot-Grün wird es eng. Doch es gibt in Berlin eine deutliche Mehrheit links der Mitte, schreibt Stephan-Andreas Casdorff in seinem Kontrapunkt. Wenn Klaus Wowereit stabil regieren will, dann sollte er den Piraten gezielt Verantwortung übertragen.

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Auf Nummer sicher: Eine Koalition mit den Piraten würde für eine stabile linke Mehrheit in Berlin sorgen.
Auf Nummer sicher: Eine Koalition mit den Piraten würde für eine stabile linke Mehrheit in Berlin sorgen.Foto: dpa/Davids

Da sitzen sie nun, die Piraten, und kommen so schnell nicht mehr weg. Angekommen auf den harten Stühlen der parlamentarischen Wirklichkeit, müssen sie zeigen, dass das Leben kein einziger Blog ist und mehr als eine Videobotschaft. Allein schon die physische Präsenz in Fraktionssitzungen, Ausschusssitzungen, Plenarsitzungen kann zur Mühsal werden. Entscheidungen zu fällen auch, denn das Tun zeigt das Wollen. 

Und es beginnt ja schon, das Alltägliche. Sollen alle alles wissen können, was das Gebot der Transparenz wäre, eines wirklich "gläsernen Parlaments", wie es die Piraten beim Einzug formulierten? Soll alles nach außen übertragen werden, was sich drinnen, in Sitzungen, zuträgt? Wenn ja, wie? Mit Web Cam, per Live Stream? Oder soll einer es berichten, bloggen, und wer soll das sein? Einer, der gewählt wird? Oder sollen alle bloggen, die es wollen? Wer redet dann noch mit wem? Sollen alle, die den Blog kommentieren, mitreden dürfen, direkt? Muss es einen Filter geben? Wer entwickelt ihn, inhaltlich? Denn technisch ist das für diese Fraktion kein Problem. Fragen über Fragen. 

Die 15 Berliner Piraten
15 Piraten zogen in das Berliner Abgeordnetenhaus ein - als die ersten Gruppenfotos geschossen wurden, waren sie aber noch nicht einmal vollzählig versammelt. Auf dieser Aufnahme fehlen Gerwald Claus-Brunner und Pavel Mayer.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: dapd
20.09.2011 12:0015 Piraten zogen in das Berliner Abgeordnetenhaus ein - als die ersten Gruppenfotos geschossen wurden, waren sie aber noch nicht...

Sie werden Antworten finden, das ist wohl keine Frage. Aber vielleicht werden sie nicht allen, die sie gewählt haben, gefallen, und das wäre dann als Erstes der wahren Wirklichkeit geschuldet. Und es wird noch mehr an, sagen wir, Zumutungen geben: die Notwendigkeit, Kompromisse zu schließen, zum Beispiel. Immerhin erhöht sich nur so die Chance, ein bisschen, acht Prozent, von dem durchzusetzen, was sie sich wünschen. Wunsch und Wirklichkeit können sich hart aneinander stoßen, das wissen die anderen Parteien schon länger. 

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welchen Herausforderungen sich die Piraten außerdem stellen müssen.

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