Kontrapunkt : Yes, he can: Newt Gingrich wächst zum Anti-Obama

Newt Gingrich ist auf dem Weg, wieder zur großen Hoffnung der Republikaner zu werden, meint Stephan-Andreas Casdorff. Dem Präsidenten traut dagegen kaum ein Bürger mehr zu, das Land aus der Krise zu holen.

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Newt Gingrich wird mit jedem Angriff, den er abwettert, stärker.
Newt Gingrich wird mit jedem Angriff, den er abwettert, stärker.Foto: AFP

Obacht, in den USA zeichnet sich ein „Change“ ab. Yes, he can: Newt Gingrich, der 68-jährige ehemalige Sprecher des US-Repräsentantenhauses von 1995 bis 1999. Von wegen, dass sein Ruhm verblasst ist. Nein, nicht bei seinen Parteifreunden an der Basis. Hat Gingrich doch gerade den großen Rivalen um die Präsidentschaftskandidatur Mitt Romney mit ein paar scharfen Sätzen schwer getroffen. Ja, stammte er nicht aus Harrisburg, bekannt geworden durch den Three-Mile-Island-Atomunfall 1979, müsste man sagen: Gingrich hat Romney bei den Vorwahlen in South Carolina atomisiert, in seine Bestandteile zerlegt.

Nun meinen einige, dass sein Sieg zeige, wie gespalten die Republikaner seien. Die einfache Antwort ist: noch. Noch dauert die Kandidatensuche. Aber es wird sich legen, denn haben die Republikaner erstmal ihren Bewerber fürs Weiße Haus, wird der alles daransetzen, sie zu einen, hinter sich. Und Tatsache ist: Gingrich kann das.

Unter Gingrichs Führung hatten die Republikaner schon mal gute Zeiten. Bei den Kongresswahlen 1994 siegten sie erdrutschartig, er wurde der erste republikanische "Speaker" des Repräsentantenhauses seit vier Jahrzehnten, das  Nachrichtenmagazin "Time" erhob ihn zum Mann des Jahres.

Vorwahlkampf der US-Republikaner
Am 2. Mai steigt Newt Gingrich offiziell aus dem Vorwahlkampf der Republikaner aus.Weitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: dapd
03.05.2012 12:34Am 2. Mai steigt Newt Gingrich offiziell aus dem Vorwahlkampf der Republikaner aus.

Lange her? Unverändert setzt Newt Gingrich auf konservative Inhalte, auf niedrige Steuern, auf ein ausbalanciertes, um nicht zu sagen ausgeglichenes Budget, auf weniger Einfluss der Regierung. Und auf massive Einsparungen in der Staatskasse. So viel zu Kontinuitäten. Heute sind sie wieder gefragt. Ist Gingrich wieder im Kommen.

Unvergessen – vor allem, weil seine Gegner ständig daran erinnern – ist, dass Gingrich wegen eines Steuervergehens 300 000 Dollar Strafe zahlen musste. Romney zieht auch das heran, um ihn unethischen Verhaltens zu überführen. Da ist das allerletzte Wort noch nicht gesprochen. Auch dass Gingrich Geld mit Freddie Mac, einem der Krisenbringer, gemacht habe, zählt dazu.

Andererseits hat Gingrich härter als jeder andere mit einem Präsidenten, seinerzeit war es Bill Clinton, ums Budget gekämpft, hat einen mehrwöchigen finanziellen Stillstand der Regierung in Kauf genommen. Er hatte keinen Erfolg – aber er hat etwas für die Sache der Republikaner riskiert, sogar seine Karriere, sagen seine Anhänger. Deren Schar wächst.

Jetzt wird es nicht zuletzt darum interessant. So viele Vorwürfe gegen ihn liegen auf dem Tisch, doch selbst die seiner (zweiten) Ex-Frau wegen des vermeintlichen  Wunsches nach einer „offenen Beziehung“ haben Gingrich nicht geschadet. Nicht einmal bei den Moral- und  Tugendwächtern der Partei. Stattdessen verfängt sein „Angriff-ist-die-beste-Verteidigung“-Stil. Und angreifen kann er wie kein Zweiter bei den  Republikanern, seine Zunge ist ein scharfes Schwert.

Newt Gingrich war ihre große Hoffnung, er kann es wieder werden. Denn er ist ein ziemlich radikaler Gegenentwurf zu Barack Obama. Dieser Mann ist ein ausgebuffter Polit-Profi, hart, auch im Nehmen, in Debatten kaum zu schlagen, und mit jedem weiteren Vorwurf, den er abwettert, wird Gingrich schwerer verwundbar für den Kampf mit dem Präsidenten. Zumal der mit jedem Monat, den die Wahl näher rückt und tief greifende Erfolge ausbleiben, verwundbarer.

Obama ist ein wunderbarer Redner, nur keiner, dem die Menschen so ohne weiteres zutrauen, sie aus der Krise herauszuholen. Oder sie schneidig herauszuhauen, um es einmal so auszudrücken. Und angreifbar machen ihn quasi alle Politikfelder, und zwar von links und von rechts. Die Arbeitslosigkeit, die Schuldenlast, Guantanamo, die Bürgerrechte, die Kriege, die Perspektive – da kann es sogar sein, dass seine relative Jugend gegen ihn spricht, wenn einer wie Gingrich im Wahlkampf argumentierte: Da muss jetzt ein Profi ran für „Hope“ und „Change“, für neue Hoffnung und richtigen Wandel.

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