Kontrapunkt : Zu stolz auf die Tradition

Genozide, Selbstmordanschläge, Steinigungen, Scharia: Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?

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Auch in Deutschland wird der Koran studiert.
Auch in Deutschland wird der Koran studiert.Foto: Reuters

Ein kleines Quiz vorab. Wer hat folgenden Satz gesagt? „Ich bin stolz auf unsere jüdische und christliche Tradition und verachte den Islam als menschenverachtende, totalitäre Ideologie.“ War es Alice Schwarzer, Geert Wilders, Horst Seehofer, Thilo Sarrazin, Hans-Ulrich Wehler oder Monika Maron?

Tja, da kann man ins Grübeln kommen, weil es irgendwie jeder und keiner von denen sein könnte. Aber Ernst beiseite. Es soll heute tatsächlich um Wissensfragen gehen. Zwar ist das Wichtigste am Glauben der Glauben selbst und nicht das Wissen über den Glauben. Aber in dieser grobschlächtigen Zeit, der etwas mehr Bescheidenheit und Demut durchaus gut täte, kann die Kenntnis über Religionen und Kulturen nicht schaden. Wir danken an dieser Stelle Nicholas D. Kristof von der „New York Times“ für Inspiration und ein paar Beispiele.

Los geht’s. 12 knappe Fragen, die Antworten werden gleich mitgeliefert.

- Wo steht folgender Satz? „Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und zerschmettert sie an den Stein!“ – Richtig! Im Alten Testament, Psalm 137.

- Und wo steht das? „In der Religion gibt es keinen Zwang. Niemand kann zum rechten Glauben gezwungen werden.“ – Auch richtig. Es ist der Anfang des 256. Koranverses der zweiten Sure.

- In welcher westlichen Demokratie gilt im Ehe- und Familienrecht ganz offiziell die Scharia, das islamische Recht? – In Israel. Die Zuständigkeit für Heirat, Scheidung, Erbe und Adoption liegt dort bei den religiösen Oberhäuptern, die vom Staat bezahlt werden. Für Juden gilt die Halacha, für Muslime die Scharia.

- Wer verübte den ersten und umfassendsten Massenmord in der Geschichte? – Es war der Gott der Bibel, als er die Sintflut schickte. „Denn von heute an in sieben Tagen will ich regnen lassen auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte und vertilgen von dem Erdboden alles Lebendige, das ich gemacht habe“ (5. Mose, 7,4).

- Welche Frau ertränkte sich und ihre beiden Kinder, damit ihr Mann einen Selbstmordanschlag verüben konnte? – Es war die Ehefrau des japanischen Oberleutnants Hajime Fuji, der unbedingt einen Shimpu-Tokkotai-Einsatz (Kamikaze) fliegen wollte, die Marineluftwaffe aber Verheiratete als Freiwillige nicht akzeptierte. Der Opfertod für das Vaterland knüpfte an die Tradition der Samurai an.

- Welche Terroristen trugen zum erstenmal Sprengstoff am eigenen Körper, um ihn in einer Menschenmenge detonieren zu lassen? – Die ersten Selbstmordattentäter waren tamilische Hindus aus Sri Lanka und Indien.

- Wo steht geschrieben, dass eine Frau, die bei ihrer Hochzeit nicht mehr Jungfrau war, zu Tode gesteinigt werden soll? – In der Bibel. „Ist’s aber Wahrheit, dass das Mädchen nicht mehr Jungfrau war, so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Haus Hurerei getrieben hat; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun“ (5. Mose, 22,20-21).

- In welcher Kultur werden Frauen bis heute bei lebendigem Leibe verbrannt? – Im Verständnis des Hinduismus, vor allem der Rajputischen Volksgruppe, kann der Tod eines Mannes auch die Schuld seiner Frau sein. Diesem Vorwurf kann sie entgehen, indem sie sich als Sati (die Frau, die den richtigen Weg wählt) rituell verbrennen lässt. Dazu setzt sich die Witwe mit der Leiche ihres Mannes im Schoß auf den Scheiterhaufen. Der älteste Sohn oder nächste männliche Verwandte entzündet dann das Feuer.

- Welche Rolle spielt die Religion bei der Jugendkriminalität? – Zitieren wir dazu unseren Kollegen Hannes Stein von der „Welt“: „Ich fresse eine Moschee samt Minarettverbot, wenn die Mitglieder der türkischen und libanesischen Jugendbanden, die Neukölln unsicher machen, je auch nur eine Seite im Koran gelesen haben.“

- Wer hat folgendes gesagt? „Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.“ – Das war Jesus von Nazareth (Matthäus 18,6).

- Und wo steht dies? „Nicht gleich sind die gute und die schlechte Tat. Wehre ab mit einer Tat, die besser ist, da wird der, zwischen dem und dir eine Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund.“ – Im Koran, 41,34.

- Wer verübte einen Genozid an Kindern? – Der Gott der Bibel. „Und zur Mitternacht schlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron saß, bis zum ersten Sohn des Gefangenen im Gefängnis und alle Erstgeburt des Viehs. Da stand der Pharao auf in derselben Nacht und alle seine Großen und alle Ägypter, und es ward ein großes Geschrei in Ägypten; denn es war kein Haus, in dem nicht ein Toter war“ (2. Mose 12,29-30).

Aus einem solchen Quiz folgt weder Werterelativismus noch Äquidistanz. Weder sollen Unterschiede ignoriert, noch nach einer Parität im Unrecht gesucht werden. Aber jeder, der mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf eine Weltreligion zeigt, zeigt mit drei Fingern seiner eigenen Hand auf sich selbst. Zu den acht Hauptsünden in der christlich-jüdischen Tradition zählt die Hybris, weil sie zur Herabsetzung anderer führen kann (die anderen sieben sind Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit und Überdruss). Zu viel Stolz auf die Tradition verkehrt also genau diese Tradition oft in ihr Gegenteil.

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