Kontrapunkt : Zwanziger: ein Eigentor des obersten Fans

Michael Ballack soll sich entschuldigen, fordert DFB-Präsident Zwanziger - "wie das echte Männer machen". Doch wofür eigentlich? Zwanziger lenkt ab von dem, was ungeteilte Aufmerksamkeit verdient - die Frauen-WM.

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DFB-Präsident Theo Zwanziger.
DFB-Präsident Theo Zwanziger.Foto: dpa

Wunderbar, da läuft die Frauen-WM, und der DFB-Präsident, der sich viel darauf zugute hält, der oberste Fan zu sein, feuert ein anderes Thema an: den Fall Ballack. Jetzt soll sich Michael Ballack, einer, dem sie früher, als es opportun war, im DFB quasi zu Füßen lagen, entschuldigen bei Joachim Löw. Zunächst einmal zu diesem Punkt: wofür eigentlich? Dafür, dass er seine Meinung gesagt hat, gerade auch dem Bundestrainer?

Es scheint, dass der Herr Präsident so was generell nicht so gern hat. Noch gut erinnerlich ist, wie er mit kritischen Geistern ins Gericht geht, buchstäblich, wenn es ihn betrifft. Das wird jetzt wohl ausgeweitet auf den Bundestrainer, dem Zwanziger das Amt gleichsam nachgetragen hat. Dass also da einer aus der Mannschaft aufmuckt, nicht brav stillhält, sich nicht alles gefallen lässt, mag nicht jedem sympathisch sein, nicht gern gesehen – aber es ist sein gutes Recht. Meinungsfreiheit, Sire! Jeder diskreditiert sich zuweilen, so gut er kann, nicht wahr?

Der DFB-Präsident ist, weil der Verband so enorm groß ist, zwar bedeutend, aber nicht Sonnenkönig. Aus seiner politischen Zeit – parteipolitischen, so muss man hier differenzieren, denn Verbandspolitik macht er immer noch – sollte Zwanziger das wissen. (Obwohl in der CDU zu seiner aktiven Zeit doch eher weniger öffentlich diskutiert wurde.) Sagen, was ist, damit fängt die Betrachtung  der Wirklichkeit an. Umgekehrt wird deshalb ein Schuh daraus: Schön wäre gewesen, wenn Zwanziger in der Fifa mal den Präsidenten angegriffen und bei der Wahl nicht stillgehalten hätte.  

Dann aber dieser denkwürdige, merkwürdige Zusatz, Ballack soll sich entschuldigen, „wie das echte Männer machen“. Was meint Zwanziger damit? Es ist jedenfalls als Anspielung zu verstehen. Lange schon wird nämlich debattiert, wer alles im Fußball wohl schwul sein könnte, neulich nahm auch Löw dazu Stellung (er sei es nicht, teilte er mit); oder Neuer, der übrigens davon abriet, sich zu offenbaren. Dieser Einschub ist, bei diesem Thema, ein Foul.

Weiß doch jeder Fan um Vorbehalte des Teams Ballack in der Hinsicht gegen das, sagen wir, Team Löw; das nennt man ein offenes Geheimnis. Die überraschende Bemerkung Zwanzigers wird viele Fans, viele männliche, ablenken von dem, was ungeteilte Aufmerksamkeit verdient: die Frauen-WM. Es ist ja doch in jedem Fall interessant, wie diese Männer Eigentore schießen.

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