Meinung : Kontrollierter Absturz

„Völlig benebelt“ vom 17. November

Die im Einklang mit ihrer Umwelt lebende Gans – ein Mensch? Dies haben die Gänse nicht verdient. Sie haben mich daher gebeten, Ihnen zu schreiben.

Der Nebel hat sich verzogen. Denken wir gemeinsam zu Ende: Kann es bei Wildgänsen einen „Instrumentenausfall“ geben? Was könnte passiert sein, wenn eine Wildgans, die sich nicht nur über die Sicht, sondern vor allem auch am natürlichen Magnetfeld der Erde orientiert, im Nebel notlanden muss? Nebel kann Gänsen nur die Sicht rauben.

Was macht ein Pilot während des Fluges ohne Sicht? Er fliegt mithilfe seiner Navigationsinstrumente. Die Gans nutzt bei Nebel, der ihr die Sicht raubt, ihren angeborenen Magnetsinn. Nebel kann diesen Sinn nicht stören. Elektromagnetische Felder gehen durch ihn hindurch. Fliegt die Gans mit ihrem Magnetsinn auf eine starke Quelle elektromagnetischer Felder zu, wo kommt sie hin? Zur Mobilfunksendeanlage an der Autobahn. Über der Anlage wird durch die starken künstlichen technischen elektromagnetischen Felder die Verbindung der Vögel untereinander gestört. Man weiß heute, dass sich die Formationen der Zugvögel durch die elektrostatischen Kräfte der sich im Flug elektrisch aufladenden Vögel ergeben. So wird auch beobachtet, dass Zugvögel über Mobilfunksendeanlagen ihre Flugformation auflösen und erst in weiterer Entfernung nach ziellosem Umherkreisen wieder zueinanderfinden. Ein Vogel ohne Sichtkontakt zu seinem Schwarm, ohne Sicht unter verwirrenden technischen Signalen, handelt wie ein erfahrener Pilot ohne Verbindung zum Tower und ohne funktionierende Instrumente: Er notlandet oder stürzt ab.

Es wäre interessant, die Fundstellen der überfahrenen Wildgänse mit den Standorten von Mobilfunksendestellen abzugleichen. Die Bundesnetzagentur hält hierfür eine EMF-Datenbank mit den Standorten der Sendestellen bereit. Aber wer macht sich in der Vorweihnachtszeit diese Mühe, wenn die Weihnachtsgans bestellt werden muss?

Die Gänse sind an ihre natürliche Umwelt perfekt angepasst. Der Mensch bringt sie mit seinen künstlichen Funksignalen zum kontrollierten Absturz. Mitleid und Anerkennung ihrer Mitwirkung am menschlichen Erkenntnisgewinn für die Gänse statt unverdienter Häme und Spott wären angebracht gewesen. Aber so geht man in unserem Lande mit Elektrosensiblen um: Sie werden nicht ernst genommen. Also verdrängen und den Bauch mit Gänsebraten trösten? Oder die Weihnachtsgans begnadigen, stattdessen die Zeitungsente braten und sich informieren.

Maria Schmidt, Berlin

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