Meinung : Kopien für Milliarden

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Der Transrapid gilt als Aushängeschild deutscher Ingenieurkunst. Die einzige Strecke, die bisher kommerziell betrieben wird – etwa 30 Kilometer in der chinesischen Millionenmetropole Schanghai – ist ein Anziehungspunkt für Touristen. Man fotografiert sich vor und in dem Zug, der bis zu 342 Kilometer pro Stunde fährt. Kein Wunder, dass Deutschland Exportweltmeister mit seinen Produkten ist, wenn es immer wieder seiner internationalen Konkurrenz ein gutes Stück voraus ist. Dieser Vorsprung ist aber täglich gefährdet. Das zeigt eine Meldung aus China. Dort arbeiten Wissenschaftler an einer eigenen Variante eines Magnetschwebezugs. Bisher bringt es der Prototyp auf 100 Kilometer pro Stunde, bald soll es aber die fünffache Geschwindigkeit sein. Natürlich ohne, dass deutsche Rechte bei der Entwicklung verletzt wurden, heißt es. Vielleicht ist es tatsächlich so. Haben die Wissenschaftler aber Erfolg, dann kann das deutsche Transrapid-Konsortium den Export nach China wohl abschreiben. Und es wird nicht lange dauern, bis die chinesischen Produzenten auch international in Konkurrenz treten werden. Ein ähnliches Schicksal droht anderen High-Tech-Produzenten. Siemens hat sich zum Beispiel bei der Lieferung von Turbinen für den Drei-Schluchten-Staudamm darauf eingelassen, dass eine chinesische Firma diese in begrenzter Zahl kopieren darf. Damit ist aber auch die Technik offen gelegt. Für das nächste Geschäft wird Siemens noch bessere Turbinen bieten müssen. China ist zweifellos ein lukrativer Markt. Die dort heute eingefahrenen Gewinne könnten aber in Zukunft teuer bezahlt werden, wenn die Unternehmen nicht aufpassen. hop

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