Kopten : Ein Zwischenruf zur Christenverfolgung

Barbara John kritisiert einige Reaktionen in Deutschland auf das an Kopten verübte Massaker in Alexandria.

Barbara John

Noch ist die Fassade der koptische Kirche in Alexandria, vor der in der Neujahrsnacht mehr als zwanzig Menschen starben und viermal so viele verletzt wurden, mit dem Blut der Unglücklichen gezeichnet. Noch sind die Täter nicht bekannt. Vermutet werden sie bei Al-Qaida-Gruppen. Doch in Deutschland, also dreitausend Kilometer entfernt vom Ort des grausamen Verbrechens an christlichen Ägyptern, setzen sich Politiker und muslimische Funktionäre über Nichtigkeiten auseinander, statt zusammenzustehen. Sie werfen sich gegenseitig vor, zu spät, zu unentschieden reagiert zu haben.

Der CDU-Innenexperte, Wolfgang Bosbach, begann damit, indem er die islamischen Verbände aufforderte, sich aktiv einzusetzen, dass in islamischen Ländern dasselbe Maß an Toleranz herrsche gegenüber Christen wie in christlichen Ländern gegenüber Muslimen. Dann setzte er süffisant fort, dass nach seiner Erfahrung die Verbandsvertreter auf solche Hinweise immer „höchst allergisch“ antworteten. Was für ein trostloses Schauspiel wird da aufgeführt! Während Gemeinsamkeit und Schulterschluss das Gebot der Stunde sind, erleben wir als Erstes kleinliches, boshaftes Hickhack.

Wie es anders geht, machen uns die drei großen muslimischen Organisationen in Holland vor: Sie haben den Kopten angeboten, sich vor ihre Kirchen zu stellen. Und sie lassen die Öffentlichkeit wissen: „Christliche Kopten, wir und alle Niederländer haben genau dieselben Feinde – die Terroristen.“ Richtig, dadurch werden muslimische Länder für Christen nicht gleich sicherer, aber die Botschaft hat Strahlkraft: Wir haben unterschiedliche Religionen und Weltbilder, aber wir verteidigen gemeinsam Wert und Würde jedes Menschenlebens. Mehr konkrete Signale dieser Art werden dringend gebraucht. Ich finde keine überzeugende Erklärung, warum sie so rar sind in Europa, auch in Deutschland.

Könnte es sein, dass die meisten Nicht-Muslime immer noch tiefe Zweifel spüren, ob die bei uns lebenden Muslime nicht nur äußerlich, sondern im Herzen friedfertig mit anderen zusammenleben wollen? Ob sie sich vielleicht doch nicht vorbehaltlos distanzieren von religiösen Fanatikern, die im Namen des Islam Menschenleben auslöschen und verletzen? Der Christenmord in Alexandria zwingt uns alle, die Enge und den Trotz jedes Lagerdenkens zu verlassen. Wer jetzt weiterhin nur „Versäumnisanzeigen“ an Muslime bzw. Nicht-Muslime schickt, wie es bei uns anfänglich zu beobachten war, der tut nicht nur zu wenig, der tut das Falsche.

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