Kosovo : Grauzone

Kosovos Ministerpräsident Hashim Thaci soll seit 1999 der Kopf eines Rings illegaler Organhändler gewesen sein. Doch was ist dran an den Vorwürfen. Caroline Fetscher über Psychologie in den jugoslawischen Zerfallskriegen.

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Ein Wahlplakat von Hashim Thaci im Kosovo
Ein Wahlplakat von Hashim Thaci im KosovoFoto: dpa

Aberwitzig, ungeheuerlich wirken die Anschuldigungen. Kosovos Ministerpräsident Hashim Thaci soll seit 1999 der Kopf eines Rings illegaler Organhändler gewesen sein. Die Organe seien Gegnern und Gefangenen entnommen worden. All dies erklärt Dick Marty, Sonderberichterstatter des Europarats und liberaler Schweizer Parlamentarier. Thaci, aufgebracht, erwägt eine Klage gegen Marty, während die einstige Chefanklägerin des Jugoslawien-Tribunals, Carla Del Ponte, seit Jahren Ermittlungen in der Sache fordert.

Indes hat die EU-Justizmission im Kosovo Zeugen aufgerufen, sich zu melden. Was ist dran an der Sache? Die Wahrheit scheint, dass bisher keiner die Wahrheit kennt. In den jugoslawischen Zerfallskriegen diffamierten Serben von Beginn „andere Ethnien“. Es hieß etwa, Muslime hätten den Löwen im Zoo von Sarajevo serbische Kinder zum Fraß vorgeworfen. Derlei Horrendes wurde erfunden, um Angst auszulösen.

Die Wahrheit ist zugleich, dass auch Gegner des serbischen Nationalisten Milosevic grausame Taten begangen haben. In einer generell von Männlichkeitsmythen, Gewalt in den Familien und Paranoia geprägten Lebenspraxis aller Seiten ist das kein Wunder. Zu hoffen ist jetzt nur, dass eine unaufgeregte Aufklärung folgt.

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