Kosovo : Reifeprüfung

Blumen wurden geworfen und Kusshände. Als die Truppen der transatlantischen Alliierten im Sommer 1999 in das ramponierte, traumatisierte Kosovo einrückten, säumten Massen von Kosovo-Albanern die Straßen. Kinder begrüßten die Soldaten der Kosovo-Force (Kfor), die in offenen Panzerluken standen, mit Sprechchören: „Ha-llo! Na-to!“ Befreit worden war die Südprovinz Serbiens, das letzte Schlachtfeld der Zerfallskriege von Slobodan Milosevic. Mit Resolution 1244 des Sicherheitsrats der Uno entstand eine internationale Zivilmission UNMIK. Infrastruktur, Institutionen, Bildungssystem, alles sollte neu aufgebaut werden. Experten aus aller Herren Länder strömten herbei, das ehemalige Armenhaus Jugoslawiens mit einem Milliardenbudget auf den Weg nach Europa zu bringen. Ab dem heutigen Montag gilt das „Nation Building“ der Zivilmission offiziell als beendet. Bleiben sollen nur die Polizeimission Eulex und einige Kfor-Einheiten. Regieren muss das Land, das 2008 seine Unabhängigkeit proklamiert hat, sich nun selber. Doch trotz UNMIK grassieren hier weiter Korruption, Klientelismus, Misswirtschaft und Arbeitslosigkeit. Auf ein Europa aber, das Geld zuschießen und beide Augen zudrücken wird, kann – gerade heute – keiner hoffen. Nur eines zählt noch, und das ist Vertrauen. Das Vertrauen von Investoren zu gewinnen, wird so lebenswichtig sein wie Luft und Wasser. Verspielt die Elite diese Chance, verrät sie ihre Bevölkerung wie sich selbst. cf

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