Kramer kontra Sarrazin : Wider die dezente Empörung

Warum Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, mit seiner tabubrechenden Kritik an Thilo Sarrazin auf dem richtigen Weg ist.

Andrea Dernbach

Stephan Kramer nervt. Seit er Generalsekretär des Zentralrats der Juden ist und, eloquent und temperamentvoll, dessen Medienpräsenz im Alltag garantiert, bestimmen immer weniger die schmerzfreien Feierstunden anlässlich von Hochschulgründungen und Wochen der Brüderlichkeit das Bild. Jetzt wird es öfter ungemütlich zwischen deutschen Juden und nichtjüdischem Establishment.

Schon früher waren Zentralratsvorsitzende wie Ignatz Bubis und Paul Spiegel nie nur Anwälte der Juden in Deutschland, sondern erhoben die Stimme, wenn der Rassismus im Land sich neue Ziele suchte, wenn Asylbewerberheime brannten oder Migranten angegriffen wurden. Seit es Kramer gibt, sind der Ton lauter, die Vergleiche tabuärmer geworden.

Sarrazins jüngste Ausfälle rückte er in NS-Nähe und gab auch dessen dankbarem Publikum ordentlich mit: Dass doch nicht alles falsch sei, habe man schließlich auch gern über die Nazis gesagt. Darf der das? Wer weiß, vielleicht will Kramer ja genau dies vor Gericht klären lassen. Wenn Clubmitglieder der Elite kruden Rassismus auf fünf Seiten in „Europas Kulturzeitschrift“ ausbreiten dürfen, ist dezente Empörung nicht mehr genug. Es ist gut, dass Kramer nervt.

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