Meinung : Krank auf Vorrat

PATIENTEN STÜRMEN DIE ARZTPRAXEN

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Zum ersten Januar 2004 kommt die Gesundheitsreform. Allein diese Ankündigung reicht beim normal informierten Krankenversicherten offenbar aus, um sofort Krankheitssymptome auszuprägen. Stehenden Fußes eilt er zum Arzt und lässt sich verschreiben, was eben geht: Zahnersatz, eine neue Brille, Medikamente im Vorratspack. So, als ob es von Januar an nichts mehr gäbe. Da können die Gesundheitsministerin Schmidt und der UnionsGesundheitsfachmann Seehofer lange sagen, dass es so schlimm gar nicht wird. Und dass der Zahnersatz erst 2005 neu geregelt werden soll. Und dass es ganz nett sein kann, wenn der Zahnarzt einen dann möglicherweise als Privatpatienten auf den Behandlungsstuhl wedelt. Das Misstrauen der Versicherten gegenüber den Reformplänen von Regierung und Opposition ist so groß, dass sie lieber alles zusammenraffen, was jetzt zu haben ist – und damit, ganz nebenbei, auch die erste Stufe der Reform gefährden. Die nämlich sollte von Januar an niedrigere Krankenkassenbeiträge bringen. Die Beitragssenkungen aber sind nun ernsthaft in Gefahr: weil weder die Gesundheitsministerin noch die Krankenkassen damit gerechnet hatten, dass das Gezerre von Kommissionen, Experten und Politikern in der Gesundheitsreform zu ganz realen Panikattacken bei den Versicherten führen würde.uwe

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