Krankenversicherung : Die Kosten des Lebens

Die Entwicklung ist nicht auf Deutschland beschränkt. Doch drückt sich hier in den Zahlen besonders drastisch aus, wohin sich alle Gesellschaften in Europa bewegen: Wir werden weniger, älter, kränker, teurer.

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Das wiederum, plus die immens teure moderne Medizin, führt zu einer Explosion der Kosten im Gesundheitssystem. Für das kommende Jahr wird in Deutschland mit einem Defizit von elf Milliarden Euro gerechnet. Falls nichts passiert.

Viel zu lange ist nichts passiert. Neun Monate hat sich die schwarz-gelbe Regierung mit allen möglichen Versprechungen und Dogmen herumgeschlagen: Kopfpauschale, keine Erhöhung der Lohnnebenkosten, mehr Netto vom Brutto, grundlegende Reform. Jetzt endlich, wo den Verantwortlichen die Bundespräsidentenwahl noch in den Gliedern steckt, die FDP domestiziert ist, die Streitlust gen Null tendiert und das Volk Ergebnisse verlangt, hat man sich offenbar geeinigt. Die Krankenversicherungsbeiträge werden von 14,9 auf 15,5 Prozent erhöht, was sich paritätisch auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt. Außerdem wird es wohl höhere Zusatzbeiträge geben, wofür allein die Arbeitnehmer aufkommen müssen. Das ist nicht schön, aber vernünftig. Das im Prinzip bewährte deutsche Krankenversicherungssystem bleibt erhalten. Man hätte sich nur eins gewünscht: dass sich die Debatte nicht so entsetzlich in die Länge gezogen hätte. Dadurch ging wertvolle Zeit verloren.

Was treibt die Kosten in die Höhe? Die Geburtenrate in Deutschland sinkt, das Durchschnittsalter steigt. Überdies erreicht die Lebenserwartung immer neue Rekordhöhen. In diesem Jahr geborene Mädchen können damit rechnen, 92,7 Jahre alt zu werden, Jungen 87,6 Jahre. Demografieforscher prognostizieren, dass sich innerhalb der nächsten 50 Jahre die Zahl der Hundertjährigen verzwanzigfacht. Je älter die Menschen und je moderner die eingesetzte Medizin, desto teurer das Gesundheitssystem. Und durch Einsparungen allein lässt sich das Defizit nicht ausgleichen. Einer trage des anderen Last: Auch, wer jetzt arbeitet und über höhere Beiträge stöhnt, wird womöglich 90 Jahre alt – und bis dahin womöglich gebrechlich und oft krank.

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