Kreditvergabe : In der Klemme

Konjunkturgipfel im Kanzleramt: Der Weltwirtschaft täten höhere Zinsen gut - doch gerade die überschuldeten Staaten können sich das nicht leisten.

Moritz Döbler

Banken sind nicht gut oder böse, sondern nur das: Banken. Ihr Ziel ist die Geldvermehrung, sonst nichts. Keine Bank wird aus eigenem Antrieb auf Rendite verzichten – allenfalls dann, wenn der kurzfristige Verzicht die langfristige Rendite mehrt. Verwerflich ist das nicht; es ist unser System. Wenn es uns nicht gefällt, müssen wir die Regeln ändern, an die sich Banken zu halten haben.

Jedenfalls gehen die freundlichen Appelle völlig ins Leere, den mittelständischen Unternehmen mehr Kredite zu geben. Die Banken würden es tun, wenn es sich lohnte. Aber das billige Geld, mit dem sie von Zentralbanken und Regierungen überschüttet werden, lässt sich mit weniger Aufwand gewinnbringender anlegen. Warum sollte eine Bank sich mühsam durch die Bücher eines kleinen Fabrikanten in der Provinz kämpfen, wenn sich mehr Ertrag weniger riskant mit einer Staatsanleihe oder anderen Anlagen realisieren lässt.

Der Kern des Problems sind nicht die Banken selbst, auch wenn die Haltung einiger Banker unverschämt ist. Eine „ziemlich große Lippe“ riskierten sie, kritisiert Angela Merkel zu Recht. Die größte Wirtschaftskrise seit 1945 haben sie herbeispekuliert, und jetzt verdienen sie schon wieder prächtig. Aber es ist, wie es ist: Märkte kennen keine Moral – die müssen ihnen Regierungen einimpfen. So gesehen entsprang die Finanzkrise doch staatlichem Versagen.

Schuld war und ist das billige Geld, und die Lösung kann deswegen nicht immer noch mehr und noch billigeres Geld sein. Der heutige Konjunkturgipfel der Bundeskanzlerin muss die Wirkungen möglicher Anreize genau prüfen. Wenn beispielsweise der Bund gebündelte Kreditausfallrisiken übernimmt, wird gute Unternehmensführung nicht mehr belohnt. Jeder bekommt für jede Geschäftsidee Geld – das kann nur schiefgehen. Obendrein ist keineswegs gesagt, dass die Banken die durch die bessere Absicherung frei werdenden Mittel als Kredite an Unternehmen weiterreichen.

Wirksamer, wenn auch kleinteiliger klingen die Vorschläge aus der Wirtschaft. Nicht die letzten drei, sondern die letzten fünf Jahre sollten künftig in die Kreditbewertung einfließen, damit das Horrorjahr 2009 kein Übergewicht hat. Bei der KfW und den Förderbanken ließe sich an einigen Stellen das Kleingedruckte so ändern, dass die Unternehmen besseren Zugang zu Krediten haben, und bei der Commerzbank und den Landesbanken hat der Staat ebenfalls direkte Einflussmöglichkeiten. Es wäre auch an der Zeit, die international angestrebten strengeren Auflagen für Finanzmärkte umzusetzen.

Das ist alles gut und schön und doch zu wenig. Erst wenn die Realwirtschaft wieder lohnender ist als die Finanzwirtschaft, werden die Unternehmen es leichter haben. Und nur dann entsteht Fortschritt. Deswegen sind für das Gemeinwohl höhere Zinsen am Ende zwingend notwendig. Doch ausgerechnet das können die Regierungen der westlichen Welt nicht wollen, weil sie sich überschuldet haben. Das ist die Klemme, in der Merkels Gipfel steckt und die uns alle noch viele Jahre beschäftigen wird.

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