Meinung : Kreuzberg oder Helgoland?

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Selten war sich die Welt so einig wie in den Zukunftswünschen für Saddam Hussein: Er soll ins Exil. Selbst Gerhard Schröder neigt dieser Lösung zu – doch wo könnte sich dieses Exil befinden? In Ägypten, wo es doch nicht weniger staubig ist als drüben in Bagdad? Immerhin ließe sich dieses Land zu Fuß erreichen, ohne Flugzeug, das ja eventuell abgeschossen würde. Aber eine allzu große Nähe zum palästinensischen Krisenherd wäre falsch, und der fast ebenso große Diktator Gaddafi wird wohl auch keine seiner Villen für den Kollegen räumen. Amerika kommt aus nahe liegenden Gründen nicht in Frage; in Kuba wird zwar bald eine geeignete Stelle als Staatschef vakant, aber in einer denkbar unmuslimischen Kultur. Nordkorea wäre vom politischen Konzept her brauchbar – doch da droht Amerika ja auch schon mit Angriff. Es hilft also nichts: Gerhard Schröder muss seinen Worten Taten folgen lassen und dem Mann eine Perspektive eröffnen. Helgoland? Hätte Sicherheitsvorteile, aber zu wenig Moscheen. Der Gedanke allerdings führt uns direkt nach Kreuzberg, wo alles stimmt: Gesinnungsfreunde, religiöse Infrastruktur, Nahrungsmittelversorgung. Und die Amerikaner werden Deutschland nicht angreifen; nicht wegen Saddam Hussein.

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