Meinung : Kreuzberg!

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Der Grünen-Politiker Cem Özdemir begründet auf „Spiegel online“, warum er und seine Familie nach Berlin-Kreuzberg ziehen: Um es gleich klarzustellen: Wir sind weder Märtyrer noch wollen wir mit unserem Kind experimentieren. Meine Familie und ich werden bald umziehen – nach Kreuzberg, in den ehemaligen Postbezirk SO 36. Ja, genau in die Ecke Kreuzbergs, wo manche angesichts der Nachrichten über Konfrontationen von türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen mit der Polizei bald Unruhen wie in der französischen Banlieue erwarten. Die Antwort auf die Fragen im Freundeskreis, warum wir diesen Schritt „wagen“ (als ob wir auswanderten …), fällt uns nicht schwer: Kreuzberg ist ein lebenswerter Stadtbezirk. Auch und gerade in Kreuzberg gibt es gute Kindertagesstätten. In einem vergleichsweise kinderunfreundlichen Land ist Kreuzberg nahezu eine Insel der Glückseligen; ein Ort, wo wir uns nicht ständig rechtfertigen müssen, warum das Kind sich eben wie ein Kind verhält.

Im Gegensatz zu Neukölln und Wedding gibt es den Mythos Kreuzberg mit seinen alternativen Lebensentwürfen tatsächlich – trotz Hartz IV, Drogenszene am Kottbusser Tor und sonstigen sozio-ökonomischen Verwerfungen. Kreuzberg ist wie ein Mikrokosmos. Es ist nicht wie der schicke Prenzlauer Berg, wo alle gleich alt sind und die gleich hübschen Kinder haben und in der ähnlichen Einkommensgruppe sind. Es ist auch nicht so künstlich wie Mitte und deutlich lockerer als Dahlem oder Steglitz. Und für Marzahn und Hellersdorf bin ich einfach nicht mehr schnell genug und meine Tochter kann noch nicht laufen, um notfalls vor den Nazis davonrennen zu können.

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