Meinung : Krieg aus den Hütten

Gegen den Terror der Hamas hilft nur ein starker Mahmud Abbas – doch Israel schwächt ihn

Charles A. Landsmann

Israel und die radikal-islamistische Hamas haben sich gegenseitig den Krieg erklärt. Dies muss, dies darf nicht bedeuten, dass die Road Map zum Frieden bereits ins Archiv ge hört. Die Chance, welche sie beiden Konfliktparteien bietet, ist fast einmalig, das nach den Osloer Abkommen erstmals wieder geöffnete „Fenster der Möglichkeiten“ zu Fortschritten steht noch offen.

Wenn Hamas nicht Massaker allein um des Blutvergießens willen verübt, sondern eine Befreiung der palästinensischen Gebiete, einen eigenen Staat anstrebt, dann muss sich die Organisation jetzt für den politischen Weg entscheiden – und zumindest einer vorläufigen Waffenruhe zustimmen, wie sie Mahmud Abbas anstrebt.

Wer Hamas dazu zwingen könnte, ist wohl nicht Ariel Scharon mit seiner provokativen Liquidierungspolitik, seinen Präventivschlägen und Strafaktionen zu den unpassendsten Zeitpunkten. Und auch nicht George W. Bush, mit seiner zunehmend kritischer werdenden Haltung gegenüber Scharon. Mahmud Abbas allein vermag derzeit mit Hamas einen Waffenstillstand zu schließen – am Verhandlungstisch und nicht mittels Verhaftungswellen oder Gewalt.

Wenn Scharon nun gleich beide Gegenüber provoziert, mit brutaler Gewalt und mit dümmlichen, ehrabnscheidenden Worten, dann stellt er sich zwar besser mit seinen internen nationalistischen Widersachern, doch den Terror wird er so nicht verhindern können. Zudem wird er sich des Vorwurfes erwehren müssen – und dies weitgehend nicht können –, dass er angeblich Rantisi und Scheich Jassin im Visier habe, in Wirklichkeit jedoch Mahmud Abbas und die Road Map abschießt. Scharon muss Abbas die Chance einräumen, eine Waffenruhe nach außen und die Ordnung im Inneren mittels Verhandlungen herzustellen. Und sei es auch nur, um seinen Erzfeind Jassir Arafat endlich gegenüber Abbas und den Friedenswilligen in die Defensive zu drängen.

Sicher: Arafat ist nicht das einzige Hindernis auf dem durch die Road Map vorgezeichneten Weg zur friedlichen Konfliktlösung. Die israelischen Siedlungen sind ein ebenso großes. Doch Arafat ist sicherlich aus Scharons Sicht die Zielfigur, die es auszuschalten gilt. Um so weniger ist einzusehen, dass er nicht auf Aktionen verzichtet, die dem Palästinenser-Präsidenten in seinem Machtkampf gegen Abbas und bei seiner Gewaltstrategie nützen. Wenn Scharon nur halb so entschlossen gegen die sich bar jeder Legalität ausbreitenden militanten Siedler vorgehen würde, wie er es gegenüber Hamas tut, dann würde die seiner Regierung regelrecht abgezwungene Zustimmung zur Road Map erheblich glaubwürdiger wirken.

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