Krieg im Kaukasus : Europa als ehrlicher Makler

Elke Windisch

Krieg ist in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts kein Mittel, um strittige Probleme zu klären. Und kein Ziel ist bedeutend genug, um dafür Menschenblut zu vergießen, wie es seit Freitag in Südossetien der Fall ist. Die dringlichste Aufgabe besteht daher darin, die Konfliktparteien zurück an den Verhandlungstisch zu holen.

Verantwortlich für die Lage sind jedoch nicht nur Südossetien und Georgien, sondern auch deren Paten in Moskau wie in Washington und die internationalen Organisationen. UN und OSZE haben den Konflikt über Jahre als schwelend verharmlost und ignoriert. Ebenso die anderen Zeitbomben, die noch auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR ticken: Abchasien, Transnistrien und Berg-Karabach. Mehr noch: Das Gemetzel im südlichen Kaukasus wäre vermeidbar gewesen, hätte der Westen das Kosovo nicht nach dessen einseitiger Unabhängigkeitserklärung anerkannt. Georgiens abtrünnige Autonomien werten das zwangsläufig als Präzedenzfall und leiten daraus auch für sich das Recht auf einen eigenen Staat ab. Denn was den Albanern recht ist, ist den Osseten billig.

Gefragt ist jetzt ein ehrlicher Makler, der den kaukasischen Knoten entwirrt. Denn der Konflikt Georgiens mit seinem abtrünnigen Landesteil ist bereits auf bestem Wege, sich zu einem Flächenbrand mit kaum vorhersehbaren Konsequenzen zu entwickeln. Experten, die von einem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA sprechen, haben vollkommen recht. Beide scheiden daher auch als Vermittler aus. Russland zumal, das inzwischen aktiv in die Kampfhandlungen eingegriffen hat. Gefragt ist daher jetzt vor allem die EU. Brüssel muss dabei endlich lernen, dass Europa sich als weltweit zweitgrößte Wirtschaftsmacht aktiver in das internationale Krisenmanagement einklinken muss.

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