Meinung : Kriegsverbrecherprozess: Hilfe zum aufrechten Gang

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Ein Urteil, fast nur eine Geste. Oder doch mehr? Zu insgesamt 60 Jahren Gefängnis hat das UN-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien drei Serben verurteilt, die während des Bosnienkrieges vor allem moslemische Frauen und Mädchen vergewaltigt haben. Selbst Kinder verschonten sie nicht, in ihrem Wahn der ethnischen Vernichtung. Vergewaltigung und Versklavung als Kriegsmittel fand in eigens dafür hergerichteten Lagern systematisch statt - mehr als 60 000 Opfer werden vermutet. Das UN-Tribunal hat sich lange schwer, zu schwer getan, über sexuelle Gewalt in diesem Krieg zu richten. Währenddessen hat das Gewalt-Prinzip die Nachkriegszeit überdauert: Eingeschüchtert durch die Täter von einst, ziehen viele Frauen ihre Aussagen zurück. Die einen wurden von der eigenen Familie wegen der Vergewaltigung verstoßen. Andere scheuen den Prozess oder kapitulieren vor ihrem Trauma. Wiedergutmachung gibt es für die Opfer ohnehin nicht. Vielleicht ermuntert das Urteil einige mehr, den Gang nach Den Haag zu wagen. Als stolze Geste, immerhin.

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