Krise bei General Motors : Eine Nummer kleiner

General Motors braucht eine neue, saubere "story". Das Image des Klimakillers wird in Zeiten steigender Benzinpreise, drohender Rezession und wachsenden Umweltbewusstseins zur Falle.

Henrik Mortsiefer

Wie sieht das denn aus: ein Amerikaner am Steuer eines kleinen, giftgrünen Elektroautos, das gerade mal die Strecke bis ins Büro schafft, bevor es wieder an die Steckdose muss? Für viele US- Bürger ist dieses Bild mehr als gewöhnungsbedürftig. In einem Land, in dem der Sprit immer billig, der Benzinverbrauch großzügig und die Autos immer groß waren, zählten Kleinwagen lange Zeit zu den Kuriositäten ausländischer Hersteller. Doch der Markt hat sich verändert – rasend schnell. Das kleine Auto ist ein Chevrolet, und es wird von General Motors (GM) gebaut. Ursprünglich für den asiatischen Markt geplant, soll der elektrische „Beat“ nun auch auf dem nordamerikanischen Markt verkauft werden. Jenem Markt, auf dem GM im zweiten Quartal 15 Milliarden Dollar Verlust gemacht hat.

GM weiß natürlich, dass der „Beat“ das Loch in der Absatzbilanz bei Pick-ups, Geländewagen und sonstigen Spritfressern nicht stopfen wird. Aber wie alle US-Hersteller braucht GM eine neue, saubere „story“. Das Image des Klimakillers, über das Autokäufer früher hinwegsahen, wird in Zeiten steigender Benzinpreise, drohender Rezession und wachsenden Umweltbewusstseins zur Falle. Zu dieser Erkenntnis kommen die Big Three (GM, Ford und Chrysler) spät – einige meinen: zu spät. Im Fall von GM haben Investmentbanken jüngst vor einer Pleite gewarnt.

Doch dazu muss es nicht kommen. Der Paradigmenwechsel, den die US-Industrie erlebt, findet weltweit statt. Neue Treibstoffe, andere Antriebe, größere Effizienz – damit beschäftigen sich alle Hersteller. Dass die Japaner die Vorreiter, die Europäer die Nachahmer und die Amerikaner die Nachzügler sind, muss für die US-Konzerne nicht gleich das Ende bedeuten. Warum sollte es nicht auch für die amerikanische Autoindustrie eine Nummer kleiner gehen? Der Erfolg des deutschen Kleinwagens Smart in den USA lässt hoffen – hüben wie drüben.

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