Krise im Iran : Kluge Opposition

Der iranische Oppositionsführer ist geschickt: Er vermeidet den direkten Konflikt auf der Straße

Martin Gehlen

Erfolg macht übermütig, nicht so bei Mir-Hossein Mussawi. Der Mann hat schon ganz andere Schlachten geschlagen – und zeigt auch jetzt eiserne Nerven. Die erste Montagsdemonstration in Teheran ist gelaufen. Bis zur Annullierung der manipulierten Präsidentenwahl jedoch ist noch ein langer Weg. Denn die Hardliner lernen dazu. Am Dienstag schickten sie ihre Gegendemonstranten genau zu dem Platz, wo das Mussawi-Lager seine zweites Megatreffen abhalten wollte. Es braucht nicht viel Fantasie, sich dieses Szenario vorzustellen: Träfen die beiden politischen Heerscharen direkt aufeinander, wären schwere Krawalle mit zahlreichen Toten die wahrscheinliche Folge. Gewalt aber würde die Legitimität der protestierenden Opposition zerstören. Mussawi hat kein Hauptquartier mehr und keine eigene Zeitung. Trotzdem kann er dank Internet von seiner Wohnung aus mit der Millionenschar seiner Anhänger kommunizieren. In Minutentakt verbreiten sich seine elektronischen Botschaften durch den Cyberspace. Und die jüngste hieß: Riskiert nicht euer Leben, bleibt zu Hause und tappt nicht in die Falle organisierter Straßenschlachten. Viele seiner Anhänger zogen trotzdem los – zu einer anderen Stelle in der Stadt.M.G.

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