Krise in Europa : Eine sehr kleine Koalition

08.09.2011 08:53 UhrVon Antje Sirleschtov
  • Schwer zu tragen. Eine Rede an die Nation hatte die Kanzlerin nicht dabei, ein wenig Pathos aber schon. - Foto: dapd
  • Die Gegner der EU-Rettungsschirms sitzen nicht nur im Parlament, sondern auch davor. Protestaktion vor dem Kanzleramt. - Foto: dapd
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt ihren europapolitischen Kurs im Deutschen Bundestag. - Foto: dpa

Der Weg aus der Krise wird nicht leicht. Umso wichtiger ist es, dass die Regierung das Vertrauen der Bürger genießt. Doch davon kann bei schwarz-gelb keine Rede sein. Zu Zeiten der großen Koalition war das noch anders.

In Italien und Spanien erheben sich die Menschen zu Massenprotesten. Sie wollen nicht für eine Krise bluten, die sie nicht verursacht haben, die sie nicht verstehen, für die sie jetzt aber zahlen sollen. Zur gleichen Zeit kaufen die europäischen Zentralbanker Staatsanleihen, um die Brandnester der Krise in Rom, Madrid und anderswo auszutreten, bevor sie der Wind zum Feuersturm anfacht. Das könnte unser Geld kosten.

Und Griechenland will einfach nicht auf die Beine kommen.

Trotz der Milliarden, die wir dem Land geliehen haben, damit es Zeit gewinnt, seine Wirtschaft anzukurbeln und die Schulden zu bekämpfen. Der Untergang ist nicht verhindert. Und wenn Athen aus dem Euro fällt, dann werden auch seine Retter, dann werden auch wir nicht ungeschoren davonkommen.

Das große Projekt Europa, es erlebt den Augenblick seiner Bewährung. Pathos hin, Pathos her: Wir stehen im Auge des Orkans. Heute noch hoffen wir, dass alles gutgehen wird. Morgen schon kann er uns hinwegreißen. „Der Euro ist nicht nur eine Währung“, hat die Kanzlerin am Mittwoch im Bundestag gesagt. Das spürt jeder. Die Herausforderung ist von historischer Dimension.

Doch wer soll das schultern, wem können wir zutrauen, dass er uns durch die Stürme führt, die vor uns liegen? Wo doch niemand weiß, wo lang der richtige Weg zu führen hat. Zur bitteren Erkenntnis dieser Tage gehört, dass es keine einfachen Lösungen gibt, die uns aus dieser Krise führen werden. Dass heute Entscheidungen getroffen werden müssen, deren Richtigkeit sich erst in der Zukunft erweisen wird. Und vor allem: Dass jeder Schritt nicht nur von der eigenen Kraft abhängig ist, sondern vom Zutun anderer Regierungen und von der Akzeptanz unserer Nachbarn in Europa.

Lesen Sie weiter auf Seite zwei, was unter schwarz-rot anders war.

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