Kritik an Standard & Poor's : Ratingagentur Merkel

Seit Monaten reden alle über die katastrophale Schuldenkrise. Kaum redet eine Ratingagentur über die Krise, existiert sie plötzlich nicht mehr.

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In ihrer Neujahrsansprache hatte Angela Merkel die Aussichten Europas für das Jahr 2012 herabgestuft. Ihr Satz, es werde „ohne Zweifel“ schwieriger für Europa, klang nicht gerade nach AAA, regte aber auch niemanden auf. Nun hat die Ratingagentur Standard & Poor’s Frankreich und Österreich die Spitzenwertung entzogen, und die politische Empörung ist groß. Um die Gründe der Herabstufung geht es dabei nicht: Die Ratingagenturen vertreten nur „eine Meinung unter anderen“ (EU-Binnenmarktkommissar Barnier); ihre Einschätzung ist unfair, weil die Länder längst „entschlossen auf die Schuldenkrise reagieren“ würden (EU-Währungskommissar Rehn); die amerikanischen Ratingagenturen verfolgen ihre eigenen Interessen (Philipp Rösler); und deshalb müsste endlich eine europäische Ratingagentur geschaffen werden (Guido Westerwelle, plus CDU-Hinterbänkler). Offenbar haben all diese Ratingagenturenkritiker die Neujahrsansprache von Merkel verpasst und denken, dass dieses Jahr leichter wird als das vergangene, dass Frankreich nach fünf Jahren unter Nicolas Sarkozy blendend dasteht, dass das Wachstum in der Euro-Zone 2012 durch die Decke geht. Wer das denkt, empört sich zu Recht über die ungerechte, politisch gesteuerte und infame Beurteilung von Standard & Poor’s. Wer Merkel zugehört hat, und wer weiß, wie gefährdet die französischen Banken durch die Lage in Griechenland sind, fragt sich eher, wieso das Land bisher noch mit AAA bewertet worden war.

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