Meinung : Kroatien: Sehnsucht nach Europa

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Kroatiens Reformregierung hat die Krise um die Auslieferung von zwei Armeegenerälen vorerst ausgestanden. Der deutlichen Parlamentsmehrheit hinter Premierminister Ivica Racan ist klar, dass alles andere als die volle Kooperation mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal zurück in die Isolation führen würde. Die radikalen Nationalisten werden nun aber nicht einfach klein beigeben. Die Ewiggestrigen profitieren auch von der sozialen Misere angesichts einer Arbeitslosigkeit von über 20 Prozent. Die Reformer müssten möglichst bald die Früchte der Kooperation mit der internationalen Gemeinschaft vorweisen können. Die EU ist hier auch gegenüber Kroatien in der Pflicht. Die kroatischen Nationalisten wissen zudem einen beachtlichen Teil der Bevölkerung hinter sich, die ihr Land noch immer als reines Opfer eines Verteidigungskrieges gegen Serbien sehen. Für sie sind die Generäle des "Vaterländischen Krieges" kroatische Helden, die sich nun zu unrecht angeklagt sehen. Die Regierung in Zagreb müsste klar machen, dass bei der legitimen Selbstverteidigung auch Kriegsverbrechen begangen worden sind. Die zwischen dem "Vater der Nation" Franjo Tudjman und dem serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic vereinbarte Teilung Bosniens hatte zudem nichts mit Selbstverteidigung zu tun. Nicht nur für Serbien, sondern auch für Kroatien ist die Vergangenheitsbewältigung der Schlüssel zu Europa.

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