Meinung : Krümel für die Armen

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Nur zu einem Minimalergebnis hat es beim Welthandelsgipfel in Hongkong gereicht. Zwar einigten sich Industrie- und Entwicklungsländer doch noch auf ein Abschlussdokument. Dem Ziel dieser Ministerrunde, den ärmsten Menschen im Welthandel eine fairere Chance zu verschaffen, ist man jedoch nicht näher gekommen. In den entscheidenden Fragen setzten die reichen Industrieländer ihre Interessen durch. Die Abschaffung der umstrittenen EU-Subventionen für Agrarexporte, die Millionen Bauern in ärmeren Ländern benachteiligen, ist auf das Jahr 2013 verschoben. Da andere, indirekte Agrarhilfen der Industrieländer weiter erlaubt sind, werden Bauern aus Entwicklungsländern weiterhin mit ihren Produkten auf den Weltmärkten keine Chancen haben. Was die armen Länder aus Hongkong mitnehmen, ist ein Entwicklungspaket, das der Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz als „Krümel“ bezeichnet. Die Schuldigen kommen aus Brüssel und Washington. Statt mit den armen Ländern über eine Neuordnung des Handels zu sprechen, klammerten sich die EU und die USA an ihre Pfründe. Die Industrieländer setzen sich nur dort für freien Handel und Marktöffnung ein, wo es ihnen Vorteile bringt. Ansonsten wird gemauert. maa

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