Kumi Naidoo, Chef von Greenpeace: : „Pragmatismus und Leidenschaft“

Schon als 15-Jähriger hat er gegen die Apartheid gekämpft. Jetzt kämpft der Südafrikaner für Greenpeace

Dagmar Dehmer

Greenpeace versteht einiges von politischer Symbolik. Deshalb berief die Umweltkampagnenorganisation den 44-jährigen indischstämmigen Südafrikaner Kumi Naidoo zu ihrem neuen Geschäftsführer: Naidoo, der 2005 den Global Call for Action against Poverty gegründet hat, verkörpert in seiner Person die Verbindung zwischen dem Kampf gegen die Armut und die Umweltzerstörung – zwei Themen, die sich durch den fortschreitenden Klimawandel immer weniger trennen lassen. Naidoo kommt von dem Kontinent, der den geringsten Beitrag zur globalen Erwärmung geleistet hat, gleichzeitig aber schon heute am schwersten unter den Folgen zu leiden hat. „Wenn die Ausbeutung der Natur nicht gestoppt wird, werden auch die Menschen immer ärmer“, sagt er zum Amtsantritt.

Naidoo löst den Deutschen Gerd Leipold nach neun Jahren an der Spitze von Greenpeace ab. In den vergangenen zehn Jahren hat Naidoo reichlich Kampagnenerfahrung gesammelt. 1998 wurde er Geschäftsführer von Civicus, der World Alliance for citizen partizipation, einer kleinen in Südafrika angesiedelten Organisation. Er beriet die Clinton Global Initiative, Amnesty International und das World Economic Forum. Schon als 15-Jähriger hatte er sich der Anti-Apartheid-Bewegung angeschlossen. Damals nahm er an Schülerprotesten gegen die Rassentrennung teil, kurz vorher hatte seine Mutter Selbstmord begangen. Jahrelang geriet er immer wieder mit der Polizei in Konflikt oder wurde Opfer von Razzien. 1986 ging Naidoo für ein Jahr in den Untergrund und emigrierte schließlich nach Großbritannien und studierte schließlich in Oxford.

Als promovierter Soziologe kehrte er nach der Entlassung von Nelson Mandela nach Südafrika zurück. Er war Sprecher der Wahlkommission, die 1994 die ersten freien Wahlen in Südafrika organisierte – und fand schließlich seine neue Aufgabe im Kampf gegen die Armut. In den vergangenen zwei Jahren leitete Kumi Naidoo zwei wichtige Klimakampagnen. Die Vorgehensweise von Greenpeace, sagt Naidoo, sei immer inspirierend gewesen: „Die Mischung aus Pragmatismus und Leidenschaft ist äußerst effektiv und verändert die Welt.“ Ob er Veränderung tatsächlich erreichen wird, kann Kumi Naidoo schon beim Klimagipfel in Kopenhagen vom 7. bis 18. Dezember beweisen. Dort dürfte er seine erste Hauptrolle im neuen Amt spielen. Dagmar Dehmer

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