Kundus-Affäre : Guttenberg: Da fehlt die Ehre

Erst schmeißt er zwei verdiente Mitarbeiter raus, dann gibt er zu, dass alles ganz anders war. Guttenbergs Verhalten im Fall Kundus – das letzte Wort darüber ist nicht gesprochen.

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Man kann sich gar nicht genug aufregen über diesen Fall, diesen Skandal. Denn das ist es, was sich der feine Herr im Verteidigungsministerium, der Freiherr Karl-Theodor von und zu Guttenberg, da geleistet hat in Sachen Ehrabschneidung. Zu früheren Zeiten wäre er zum Duell gefordert worden. Aber wir sind in der Neuzeit – und da wird ihm noch nicht einmal ein Vorwurf gemacht? Unsitten sind das!

Es geht um den Vier-Sterne-General Wolfgang Schneiderhan und um Staatssekretär Peter Wichert. Denen hatte Guttenberg vorgehalten, sie hätten ihm zum Bombardement von Kundus, durch das viele Zivilisten starben, Dokumente vorenthalten, ja, sie unterschlagen. Darum verloren beide ihre Posten, wurden geschasst mit – wenn man es genau nimmt – strafbewehrten Vorwürfen, kurz: mit Schimpf.

Die Schande hat Guttenberg, wie sich jetzt herausstellt. Nicht nur, dass er seine verschiedenen, aber dafür jeweils im Brustton der Überzeugung vorgetragenen Wertungen so zu erklären versuchte, samt und sonders auf Kosten von Schneiderhan und Wichert. Und es waren Irrtümer! Jetzt stellt sich auch noch heraus, dass der Grund, der zu ihrem Abschied führte, unhaltbar ist. Unsinn ist, wieder ein Irrtum. Den Guttenberg so nebenbei anspricht, in einem Interview, unter anderem, nach dem Motto: Ach ja, war gar nicht so.

Schneiderhan und Wichert konnte der Minister entlassen, das ist sein Recht. Ohne Angabe von Gründen. Wenn er ihnen die Ämter nicht zutraute, wenn er ihnen nicht vertraute. Das ist alles möglich. Unmöglich ist aber, was geschehen ist.

So etwas hat es noch nicht gegeben. Nicht einmal die Wörner- Kießling-Affäre, mit dem Versuch, einen Vier-Sterne-General wegen Homosexualität als Sicherheitsrisiko von seinem Dienstposten in der Nato-Spitze zu entfernen, ist vergleichbar. Im Fall Kundus geht es um Tod und Krieg, um das Verhalten von Soldaten im Krieg und die Auswirkungen auf das Selbstverständnis einer Gesellschaft, um die Truppe und ihre Verunsicherung, um die Zukunft solcher Kommandos. Das ist eine andere Dimension. Wenn der Herr Minister das nicht weiß und so handelt – schlimm. Wenn er es aber weiß – schlimmer.

Früher hätte man gesagt, das gehört sich nicht. Mindestens. Früher hätte der, der so gehandelt hat, daraus Konsequenzen gezogen – für sich. Demokratische Gepflogenheit und Benimm: Man muss den Eindruck gewinnen, als mangle es dieser Koalition, der schwarz-gelben, der selbst ernannten „bürgerlichen“, an eben deren Maßstäben.

Was sich gehört hätte? Dort, wo er sie desavouiert hat, im Bundestag, hätte Herr zu Guttenberg sich hinstellen und sagen müssen: Ich habe mich geirrt, ich nehme den Vorwurf zurück, dass es mit Vorsatz geschehen ist. Damit hätte er Ehre eingelegt, sogar auch für sich. Hat er aber nicht.

Und die Kanzlerin sagt kein einziges Wort. Aber nächste Woche, da tagt der Untersuchungsausschuss. Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen.

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