Kundus-Untersuchungsausschuss : Die Illusion vom Brunnenbau

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Vor zwei Jahren war das Entsetzen über die Folgen des Bombardements im Kundus-Fluss noch groß: Nachdem die offiziellen Beschwichtigungsversuche unter dem Druck immer neuer Informationen scheiterten, zeigte sich die Nation im Herbst 2009 erschüttert darüber, dass deutsche Soldaten den Tod Dutzender afghanischer Zivilisten befohlen hatten. So lange die Soldaten als Brunnenbauer galten und sich die Zahl der getöteten Deutschen in Grenzen hielt, konnte die Heimat mit der Mission halbwegs leben. Doch ein deutscher Offizier, der für Leid und Sterben am Hindukusch verantwortlich war, dessen Opfer aus verbrannten Gesichtern in Kameras starrten, störte das freundliche Desinteresse der Mehrheit gewaltig.

So offensichtlich war das Versagen des schnell ins Arbeitsministerium gewechselten Verteidigungsministers Jung und auch das seines schneidigen und wendigen Nachfolgers zu Guttenberg, dass die Opposition nach einem Untersuchungsausschuss rief. Doch seit beide nicht mehr im Amt sind, hat das Interesse an der Arbeit des Gremiums rapide nachgelassen.

Dieses Desinteresse aber schadet der politischen Kultur und ist gegenüber den Soldaten im Einsatz ungerecht. Die fühlen sich alleingelassen – und verunsichert durch den Streit um die Vorwürfe. Auf die Fragen geben Koalition und Opposition nun sehr unterschiedliche Antworten. Die Regierungsseite will die Soldaten beruhigen, indem sie die Entscheidung des Oberst Klein zur Bombardierung nachvollziehbar nennt. SPD, Linke und Grüne äußern zwar Verständnis für die Notlage des Oberst, kritisieren aber sehr klar seine Regelverstöße vor dem Befehl. Das dürfte zwar viele Bundeswehr-Vertreter im Einsatz verbittern, dient aber langfristig dem Schutz der Soldaten und der Erfüllung ihres Auftrags. Zivile Opfer, für die es keine unabweisbare Rechtfertigung gibt, sind nicht nur ethisch höchst bedenklich. Sie gefährden auch die gesamte Mission.

Darüber lohnt die Debatte – und die ist nicht nur Aufgabe des neuen Verteidigungsministers, der stetig am Projekt „Ehrlichmachen“ arbeitet. Doch Angela Merkel will mit dem heiklen Thema bis heute möglichst wenig zu tun haben. Der ungeliebte Einsatz, die ungeklärten Fragen – es könnte ja etwas an ihr hängen bleiben. Und also bleibt die Kanzlerin weiter auf Distanz.

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