Kurden-Konflikt : „Das wird das türkische Vietnam“

Ein Porträt über Murat Karayilan, den Anführer der PKK-Rebellen. Er übernahm nach der Festnahme des damaligen Rebellenführers Öcalan im Jahr 1999 die Führung und gilt seitdem für die Türken als Gesicht des Terrors.

Susanne Güsten

Für die Türken personifiziert er den Terror der Kurden, für seine Anhänger ist er ein Freiheitskämpfer: Murat Karayilan ist der Oberkommandierende der PKK und seit der Festnahme von deren Gründer Abdullah Öcalan vor acht Jahren der starke Mann bei den Kurdenrebellen. Der aus dem südostanatolischen Sanliurfa stammende Karayilan gilt als Hardliner. In seinem Hauptquartier in den nordirakischen Kandilbergen sehnt Karayilan eine türkische Militärintervention im Irak geradezu herbei: Eine Invasion würde den Zusammenhalt der Kurden stärken, hofft der Mittfünfziger – und für Ankara zu einem „Vietnam“.

Karayilan, der den Kampfnamen „Cemal“ trägt, schloss sich 1979 der PKK an, die ein Jahr zuvor von dem ebenfalls aus Sanliurfa stammenden Öcalan gegründet worden war. Seit dem Beginn des bewaffneten PKK-Kampfes 1984 spielt Karayilan eine wichtige Rolle in der Organisation, in der er lange Zeit aber nicht unumstritten war. Öcalan selbst warf Karayilan vor, den Tod vieler PKK-Kämpfer verschuldet zu haben.

Kurz nach Öcalans Festnahme 1999 reiste Karayilan, der mit seinem runden Gesicht und dem graumelierten Schnauzbart eher wie ein südosttürkischer Bauer wirkt und weniger wie ein hartgesottener Guerillakämpfer, in die Niederlande und stellte einen Asylantrag. Damals waren tiefe Risse in der Führungsriege der PKK aufgebrochen: Karayilan stand Öcalans Forderung nach einem Gewaltverzicht sehr skeptisch gegenüber. Nach dem gescheiterten Asylverfahren kehrte Karayilan in den Nordirak zurück.

Dort lieferte sich Karayilan nach Aussagen von PKK-Dissidenten einen blutigen Machtkampf mit anderen Rebellenanführern, bei dem mehrere Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Zugleich baute Karayilan die militärischen Fähigkeiten der PKK aus. Auch soll die Terrorgruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK), die mit Anschlägen gegen Urlauber in der Westtürkei von sich reden macht, Karayilan persönlich unterstehen. Die PKK bestreitet dies allerdings.

Dennoch sieht die Türkei in Karayilan einen Hauptverantwortlichen für die jüngste Eskalation der PKK-Anschläge in Südostanatolien und fordert vom Irak seine Festnahme. In Interviews warf Karayilan der Türkei vor, mit der Militärintervention gegen alle Kurden im Irak vorgehen zu wollen. Die PKK werde „Widerstand leisten“: Karayilan, der Todfeind des türkischen Staates, sieht die entscheidende Schlacht mit Ankara näherrücken.

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