Kurt Beck und die Konjunktur : Gute Güte

Das nennt man einen geschickten Schachzug: Kurt Beck lässt das soziale Herz der SPD wieder schlagen.

Ingrid Müller

Mit seinem Vorschlag, praktisch allen Empfängern von Transferleistungen eine 13. Monatsrate zu zahlen, lenkt er den Blick auf den Teil der Volkswirtschaft, der sich bei vielen der Investitionsvorschlägen als Ausweg aus der großen Krise in den vergangenen Wochen vergessen gefühlt haben mag: das breite Volk. Auch das sind Wähler.

In Becks Sammelsurium finden sich ganz unterschiedliche Milieus, die meisten mit nicht zu viel Geld: Arbeitslose und die so genannten Aufstocker, also ganz gering Verdienende übers Arbeitslosengeld, Geringverdiener per Wohngeld, Studenten via Bafög, arme Rentner über die Grund sicherung und schließlich alle Familien übers Kindergeld. Das Ganze heißt dann nicht mehr Konsumscheck, den führende Sozialdemokraten abgelehnt haben, dürfte aber Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen. Denn diese Leute gelten als einkaufsfreudig, aber klamm. Besserverdienende würden vermutlich ohnehin vor allem Dinge kaufen, die sie sowieso anschaffen wollten. Zusätzlicher Schwung: fraglich.

Die SPD indes könnte mit der 13. Rate ihr Gesicht wahren, der Linkspartei ein Thema abspenstig machen und mit Beck einen nicht ganz Unwichtigen wieder in die Mitte der Partei holen. Vermutlich wäre auch der eine oder andere Unionspolitiker nicht abgeneigt, den „kleinen Leuten“ etwas zukommen zu lassen. Mag sein, dass Investitionen in den Bau der Volkswirtschaft in Wachstum gerechnet mehr bringen (die kommen in Becks Papier übrigens auch vor). Aber Wirtschaft und Gesellschaft leben dann doch von und mit den Menschen.

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