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ZEITGEIST

„Hertha bewahrt sich Mini-Chance“

vom 29. April

Gleich auf der Titelseite steht in fetten Lettern: „Hertha bewahrt sich Mini-

Chance". Da „bewahren“ eine Aktivität ausdrückt, kann die Fußballmannschaft durch das verlorene Spiel keine Chance zum Klassenerhalt haben. Im Gegenteil: Sie hat die Chance dadurch „erhalten“, dass die Freiburger Köln geschlagen haben. Der Tagesspiegel täte also gut daran, wenn er anstatt „bewahrt sich“ „erhält eine“ geschrieben hätte. Trotzdem freue ich mich über die freundlich deutschsprachige Berichterstattung des Blattes.

Horst G. Degner, Berlin-Grunewald

PARTEILICHE DISTANZ

„Erst wissen, dann meinen“ vom 29. April

Abgesehen von der Frage, ob Herr Graf abgeschrieben hat oder nicht, ist doch schon das Thema der Arbeit peinlich. Als promovierter Naturwissenschaftshistoriker habe ich eines gelernt: Man sollte wohlwollende Distanz zum Untersuchungsgegenstand haben. Das kann bei einem Parteifunktionär wie Herrn Graf überhaupt nicht gegeben sein. Mir ist es völlig rätselhaft, wie sein „Doktorvater“ einer derart befangenen Person dieses Thema geben konnte – abgesehen von der Frage, ob die Entwicklung der Berliner CDU einer wissenschaftlichen Untersuchung bedarf. Mich erinnert das Ganze fatal an „Dissertationen“, die vor nicht allzu langer Zeit an Parteihochschulen fabriziert wurden.

Dr. Ulrich Meyer, Berlin-Mitte

SPORT ALS SOZIALLEISTUNG?

„Einigkeit im Parlament: Hartz-IV-

Sätze sind zu niedrig“ vom 27. April

Selbstredend muss in unserem Land ein menschenwürdiges Existenzminimum sichergestellt werden. Natürlich sollen auch Hartz-IV-Empfänger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. In Berlin und im Umland gibt es tausend Sportvereine mit vielen Jugendlichen, die ihre „gesellschaftliche Teilhabe“ aus dem Verständnis einer gemeinsamen sportlichen Betätigung heraus verstehen. Daneben steht es jedem frei, sich Sportschuhe anzuziehen und joggen zu gehen. Und wenn dann der Jugendliche tatsächlich die „Muckibude“ als sportliche Alternative zum Sportverein wählt, kann er dazu beitragen. Es besteht wohl auch für ihn die Möglichkeit, sich wie viele andere ein Zubrot zu verdienen.

Thomas Lubosch, Berlin–Rosenthal

SCHILLERNDE PERSÖNLICHKEIT

„Rendezvous mit Friedrich II.“

vom 27. April

Bei dem ganzen Hype um ihn - der schon immer der „Große“ sein wollte – wird ein Aspekt seines Schaffens bisher nicht berücksichtigt: Er war quasi der Begründer der Sozialhilfe. Hat er doch für seine „langen Kerls“ nach ihrer Ausmusterung u. a. Brennstoffhilfe, Bekleidungsgeld und Wohngeld gezahlt. Diese Leistungen finden sich im Bundessozialhilfegesetz (BSHG) wieder, das im Jahre 1961 in Kraft getreten ist (heute SGB XII). Also nicht erst die bismarcksche Sozialpolitik war ein Meilenstein in der sozialen Fürsorge, sondern die Altersvorsorge des alten Fritz.

Georg Röring, Berlin-Tempelhof

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