KURZ & BÜNDIG : KURZ & BÜNDIG

ENDE DER DEMOKRATIE

„Putsch von oben“ vom 12. März

Es ist doch verblüffend, wie wenig man sich hierzulande über die Situation in Ungarn aufregt, sie berichten auf Seite 5, andere gar nicht. Als Österreicherin denke ich daran, welcher Aufstand gemacht wurde, als Haider und die FPÖ an der Macht beteiligt wurden, die EU verhängte Sanktionen, Zeitungen und Fernsehen überboten sich im Entsetzen, die Aufregung war groß – und nun? Dabei sind die Maßnahmen zwischen der Regierung Orban und Horthy erstaunlich, und man sollte nicht vergessen, dass Horthy ein Vorreiter der Faschisten und Nationalsozialisten war.

Es ist schön, dass sich der deutsche Außenminister „am Rande einer Tagung“ engagiert, aber es geht doch wohl um mehr als eine „Wertegemeinschaft“, wie die Sprachregelung derzeit heißt.

Dr. Hazel Rosenstrauch,

Berlin-Schöneberg

Das Ende des Verfassungsgerichts in Ungarn ist das Ende der Demokratie in Ungarn. Keine Wahlwerbung in privaten Medien – also nur in den von Victor Orban kontrollierten staatlichen Medien. Die Universitäten am Gängelband, Theater mit rechtsradikalen Direktoren, Wahlgesetze, die Wahlbeteiligung verhindern sollen – man kann die Liste noch fortsetzen und Orban wird sie auch verlängern. Geht uns das nichts an? Was heute in Ungarn fast sang- und klanglos passiert, kann demnächst in jedem europäischen Staat passieren, wenn jetzt nicht alle ihre Stimme erheben.

Dr. Clemens Goldberg,

Berlin-Wilmersdorf

UNVERWECHSELBARE STADT GESUCHT

„Die Stadt muss sich verändern“

vom 10. März

Richtig scheint mir, dass es eine gewisse Häme gibt, wenn etwas nicht läuft. Richtig ist auch, dass Politik und Verwaltung sich sehr schnell von Protesten für oder gegen etwas beeindrucken lassen und sich nicht trauen, für die Gesamtstadt wichtige und in der Regel auch unter Berücksichtigung von Bürgerbeteiligungsverfahren getroffene Entscheidungen auch umzusetzen, sobald es Widerstand gibt. So schafft man keine Akzeptanz und Anerkennung. Richtig ist auch, dass die Stadt eine „Corporate Identity“ braucht, die akzeptiert wird. Nur, wenn von der Spitze dies nicht vorgelebt und ausgestrahlt wird, nützen alle Appelle nichts.

Robert Sander, Berlin-Wilmersdorf

LAUT DEM ANTIKENGESETZ

„Ärchäologie ist Politik“ vom 14. März

Als Archäologe, der lange Jahre für das Deutsche Archäologische Institut in der Türkei als Ausgräber von Pergamon

tätig gewesen ist, möchte ich folgende

korrigierende Bemerkung machen. In der Bildunterschrift zu der abgebildeten Skulptur (Gipsabguss des Gesichts) heißt es, der Abguss sei „mit Sondergenehmigung“ in der Türkei erstellt worden. Eine Sondergenehmigung war dafür nicht notwendig, denn laut türkischem Antikengesetz und Grabungsgenehmigung ist es das Recht des Ausgräbers, seine Funde zu publizieren und für Forschungszwecke Kopien und Abgüsse

herzustellen. Wir haben in Pergamon von diesem Recht mehrfach Gebrauch gemacht und sind nie auf Schwierigkeiten gestoßen. Das Marmororiginal des Gipsabgusses wurde von uns bei den Grabungen am Trajanstempel im Jahre 1979 gefunden und befindet sich im Museum von Bergama. Der andere Teil des Kopfes (in der Abbildung unten) stammt aus demselben Grabungsgebiet und kam während der alten Grabungen schon

im 19. Jahrhundert legal und mit Genehmigung in die Antikensammlung der

Berliner Museen.

Prof. Dr. Wolfgang Radt,

Berlin-Wilmersdorf

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