KURZ & BÜNDIG : KURZ & BÜNDIG

SCHLUSSSTRICH 

„Berlusconis willige Helfer“ vom 3. August

Der Kommentar von Paul Kreiner greift zu kurz. Denn die Zukunft des „Berlusconismus“ hängt nicht alleine von den Italienern ab. Da der Cavaliere ebenfalls von außen immer noch viel Unterstützung erhält. Wie zum Beispiel von den bürgerlich-konservativen Parteien aus anderen EU-Staaten, die mit dessen Gruppierung „Volk der Freiheit“ im Europa-Parlament in einer gemeinsamen Fraktion zusammenarbeiten. Und damit den Medienmogul mit seinem postdemokratischen Politikverständnis gewaltig aufwerten.

Weswegen sich insbesondere Angela Merkel und Horst Seehofer die Frage gefallen lassen müssen, warum sie unter dieses Bündnis keinen Schlussstrich ziehen und nicht lieber die Reformkräfte im Bel Paese unterstützen!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

SPRITZENSPORT

Berichterstattung Doping

Ich verstehe den Hype über das Doping im Sport nicht. Eigentlich müsste es doch inzwischen jedem klar sein, dass das Ganze ein Irrtum aufgrund eines Schreibfehlers ist. Es sollte nicht Spitzensportler heißen, sondern Spritzensportler. Lassen wir sie doch ihren Wahnsinn weitertreiben, aber vielleicht ein wenig ehrlicher. Ersetzen wir bei der Siegerehrung das Hissen der Landesfahnen durch das Zeigen der Firmenembleme. Dann können die Firmen ihre Kosten wahrscheinlich als Werbekosten absetzen und es bräuchte keine Steuergelder mehr.

Raimund Karbowiak,

Berlin-Charlottenburg

INSTINKTLOS

„Protestler stürmen aufeinander los“

vom 4. August

Als achtjähriges Kind musste ich 1942 mitansehen, wie ein Nachbarjunge vor unserem Wohnhaus in der Uhlandstraße von Halbwüchsigen bespuckt und geschlagen wurde, nur weil er den Judenstern trug. Ein paar Tage später ist er mit seinen Eltern bei Nacht und Nebel von der Gestapo abgeholt worden.

Wenn 70 Jahre später auf einer Demonstration im Herzen Berlins unter anderem zur Vernichtung des Staates Israel aufgerufen wird, empfinde ich dies als unerträglich und – bei allem Respekt vor der Demonstrationsfreiheit – als politische Instinktlosigkeit!

Zur Erinnerung: Am 20. Januar 1942 wurde in dieser Stadt auf der sog. Wannseekonferenz der Holocaust als „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen. Vor diesem Hintergrund kann ich die Genehmigung einer derartigen Veranstaltung nur als unentschuldbaren Tabubruch bezeichnen!

Dieter Ernst, Berlin Spandau

KREUZBERG SCHLÄFT

„Der Bürgermonarch“ vom 3. August

Viel überzeugender hätte ich gefunden, wenn sich Christian Ströbele am Ende seiner Tätigkeit für eine Bezirksverordnetenversammlungskandidatur in Kreuzberg entschieden hätte. Für den Bezirk hat Ströbele noch nie etwas getan, und trotz grüner Mehrheiten im Bezirk spürt man von grüner Politik weniger als null: verkehrsberuhigte Straßen? Fehlanzeige! Verbindung der Grünanlagen durch Fahrradwege? Fehlanzeige! Mehr Sicherheit für Kinder? Fehlanzeige! Rom (kein Autoverkehr mehr vorm Kolosseum) und Paris (am Seine-Ufer jetzt Fuß- und Radwege!) machen es vor. Kreuzberg, einer der zentralsten und quirligsten Bezirke der Mitte, schläft.

Was immer an Stimmung und Lebensgefühl in den letzten Jahren hier hereingetragen wurde, kam von privaten Investoren, oft genug durchgesetzt gegen mauernde und kleinkarierte, „grün“ geführte Behörden.

Traurig traurig, wegen der vergebenen Chancen und der unnötigerweise den Bewohnern vorenthaltenen Lebensqualität!

Annette Ahme, Berlin-Kreuzberg

DER WAGENZIEHER

„Das System ist die Frage“ vom 31. Juli

Matthias Platzeck hat die Exit-Option aus seiner politikorientierten Lebensführung genutzt und den Rückzug von den Ämtern Ministerpräsident Brandenburg, SPD-Landesvorsitz und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH für den 31. August 2013 angekündigt. Das Direktmandat im Wahlkreis Uckermark I will Platzeck aber behalten. Diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar, oder hegt Platzeck doch irgendwelche Unersetzlichkeitsgedanken? Sein Arbeitspensum wird durch das Landtagsmandat zwar geringer, aber die Landespolitik bleibt trotzdem ein aktiver Teil seines Lebens. Wahlkreispolitik zu betreiben ist Kärrnerarbeit, und hier trifft Max Webers Formulierung aus dem Jahr 1919 den Kern der Politik: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß“.

Dr. Hans-Dieter Seul,

Berlin-Lichterfelde

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben