KURZ & BÜNDIG : KURZ & BÜNDIG

LESEKOMPETENZ-TASK

„Der Blick von der Top auf den Summit“ vom 22. Oktober

Seit mehr als zwanzig Jahren werden

Studenten im Grundstudium Linguistik mit „Anglizismen“ und „Denglish“ bespaßt oder gelangweilt. Sprachkontakt und -wandel sind so alt wie die Menschheit selbst – die kulturelle Tiefenwirkung der Anglizismen (überwiegend Trans-Latizismen, über die sich der Lateinlehrer freut) allerdings indes bleibt höchst spekulativ und instrumentalisierbar. Und auch in diesem Text zappeln zig –zismen, dass es nur so die reinste Freude ist.

Aus germanistisch-didaktischer Sicht weitaus ärgerlicher und gefährlicher ist m. E. der ebenso unbegründbare wie zwanghaft-zeitgeistige Verzicht auf eine syntaktische Ordnungsmacht voller Grazie und Effizienz: die Interpunktion! Das letzte Drittel der Matthies-Kolumne widerspiegelt das Credo der Komma-Chaoten. Wo Gedankenstriche, Klammern und Doppelpunkt als Hilfsmittel des nicht-auditiven Sprachproduktes Text dem Leser das Leben leichter machen könnten, tackert er dogmatisch seine Kommata, so dass sich eine Lesekompetenz-Task völlig neuen Formats ergibt: Wie hat der Redakteur seinen Text intoniert, als er ihn geschrieben hat? Und ans Textende (an dieses und auch an das andere) gehört natürlich ein Ausrufezeichen (!)!

G. Nitschke, Berlin-Tempelhof,

unterrichtet Politik und Französisch

Und da dachte ich, der summit dieser Erscheinungsform menschlichen Unsinns wäre langsam überschritten ... Aber das seems wohl ein error zu sein. Einen Rat an unsere Anglizismen-Freunde: Nehmt euch eine halbe Stunde Zeit. Schlagt eine Seite des Zarathustra auf – irgendeine. Wahlweise auch die Bibel oder Goethe – irgendwas. Versucht, nur ein Wort – irgendeines – durch eine eurer geistreichen Schöpfungen zu ersetzen und lest euch das dann selbst laut vor. Aber Vorsicht vor unvermittelter Erkenntnis: Sie kann wehtun.

Lothar Tietz,

Berlin-Reinickendorf

HEIMATKUNDE

Beilage: Entdeckungstouren in

der Schorfheide

Ihre neue Serie „Winter-Auszeit in Brandenburg“ erfreut mich sehr, weil ich die Mark nur bis 1945 in der Heimatkunde kennenlernte. Doch der Bahnhof zum Jagdschloss Hubertusstock hieß immer „Werbellinsee“ und wurde nicht von der DDR umgetauft (Baedeker 1911, S. 128; Reichskursbuch 1944).

Jürgen Kühn, Bonn

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