Meinung : Kurzmeldungen

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Uralte prophetische Verheißungen, über Jahrtausende weiter überliefert: Ein Kind wird geboren, wird uns geboren. Die Welt fängt neu an – mit jenem Kind, mit jedem Kind. Ein königlicher Mensch, kommt – als ein Gerechter und ein Helfer (Sacharja 9,9) – und nicht als ein Herrscher, Auspresser, Unterdrücker. Er kommt verletzlich; das ganz Große fängt ganz klein an.

Auf einem Esel kommt er, nicht auf einem Imposanten Streitwagen – mit Panzern, Transportpanzern, Spürpanzern, den Jaguars und Leoparden von heute – sie alle sollen hinweggetan werden, auch die Rosse, die dahinfliegen – die Drohnen, die B52, F-16, die Mig, Scud, die Patriot – alle diese dahinfliegenden Rosse: hinweg!

Die „Kriegsbögen“ – die Abschussrampen, die Startbahnen – alles das soll zerbrochen werden. Es wird Schalom geboten den Völkern. Und Seine Herrschaft soll von einem Meer bis zum anderen reichen, vom Urstrom bis an die Enden der Erde. Eine Verheißung an Rumsfeld und seine Weltmachtstrategen? Eine Friedensverheißung, die auf Abrüstung beruht, auf Konversion, Umkehr zum Frieden – nicht auf Übermacht, Weltmacht, Großmacht!

Von unten, ganz von unten, vom Kleinen her, von den Kleinen her kommt Rettung.

Und das meint „Fest des Friedens“: Fest der Abrüstung, Verheißung an die Welt, und kräftige Ermutigung derer, die Frieden zu schaffen sich anschicken. Denn wenn die Friedensbotschaft von Weihnachten nicht in Menschen Raum greift und alles in ihnen auflöst, was hart, was hassverzerrt, was unerbittlich und unversöhnt ist, was überlegen sein will über andere, statt mit ihnen zu überlegen, wie diese Welt eine Zukunft bekommt – wenn die lösende und erlösende Botschaft nicht ins Innerste dringt – kommt der Frieden auch nicht in die Welt. Dir ist das Kind geboren. Da ist nicht bloß einer geboren, irgendwo, irgendwann irgendwem. Dir und uns allen zusammen ist er geboren. Es ist wie das Licht „am Ende des Tunnels“:

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell (Jesaja 9,1).

In Finsternis tappen, nichts als Dunkel vor sich sehen, beängstigende Ruhe vor dem großen Knall. Ausgeliefert sein. Nichts machen können. Sich ohnmächtig fühlen. Und da ein großes Licht. Ein Lichtpunkt. Ein Hoffnungsschein. Eine Erleuchtung. Für die Augen und für das Herz. Lauter Jubel. Überströmende Freude, außer Rand und Band vor Freude sein – wie bei der Ernte, wenn die Früchte eingefahren sind.

Alle Hoffnung liegt auf einem königlichen Kind, das uns geboren wird. Herrschaft wird neu definiert. Sein Name ist nicht Sicherheitskabinett, Generalstab, Rüstungsprogramm, Vater aller Schlachten, Mutter aller Schlachten, oberster Kriegsherr, Heiliger Krieg, new war, enduring freedom, „Geheim-Rat“ der CIA, des SFB, des Mossad, der Geheimdienste aller Regime, – sein Name ist wunderbarer Rat, von Gott bestimmter Held, gütiger Vater, Fürst des Friedens. Solche Herrschaft soll groß werden. Der Friede soll ohne Ende sein und nicht der Anfang eines neuen Krieges.

Dieser Friede beruht auf nichts anderem als auf Recht, wird gestützt und gestärkt durch die Herrschaft des Rechts und nicht durch das Recht der Herrschaften, die über „Gerechtigkeit“ bestimmen, sofern sie ihnen nützt. Frieden in Gerechtigkeit für die Welt, für alle Menschen, für diese wunderbare Schöpfung.

Ist das bloß frommes Gesäusel oder Gebot der Vernunft, wenn wir auf diese Art von Herrschaft, auf solche Autorität und auf alle Stimmen setzen, die nicht mit in das Horn der Kriegstreiber blasen. Müssen wir nicht angesichts jener, die nur wohlfeile Anlässe zum Krieg suchen, den Sisyphus des Friedens spielen – unermüdlich gezielte, kluge, geduldige, entschlossene Anläufe zum Frieden unternehmen?

Fröhliche Weihnachten! Welche Lieder wird das Quartett Bush, Rice, Rumsfeld, Cheney zu Weihnachten singen? „In Dulci Jubilo“ – in süßem Klang! Wo wird sich die Welt nach diesem Krieg wiederfinden?

Friedrich Schorlemmer, Jahrgang 1944, verweigerte den Dienst in der Nationalen Volksarmee. Er setzte sich für eine demokratische DDR ein und war 1989 Mitbegründer des „Demokratischen Aufbruchs“. Seit 1992 ist der Theologe Studienleiter an der Evangelischen Akademie Wittenberg.

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