Meinung : Kyoto-Protokoll: Global erwärmen, national handeln

mal

Das Haus brennt. Und was tut der amerikanische Präsident? Er läuft in eine Bibliothek, um nachzulesen, wie heiß das Feuer werden kann und wie viel Zeit ihm noch bleibt, um die Feuerwehr zu rufen. Auf dieses Bild bringen Umweltschützer die Rede von George W. Bush, die er kurz vor Antritt seiner Europa-Reise über die globale Erderwärmung gehalten hat. Der Vertrag von Kyoto zur Reduzierung klimagefährdender Gase, das steht jetzt felsenfest, wird von der US-Regierung abgelehnt. Basta. Die Einwände sind so fundamental, dass es naiv wäre, auf Nachverhandlungen zu setzen. Europa muss einen Weg finden, mit dieser Enttäuschung fertig zu werden. Die USA dürfen weder fortgesetzt an den Pranger gestellt werden - Kyoto steht schließlich nicht allein im Zentrum der transatlantischen Beziehungen -, noch sollte Washington ganz aus seiner Verantwortung entlassen werden.

Zum Thema Rückblick: Der gescheiterte Klimagipfel in Den Haag Der Mittelweg erfordert Fingerspitzengefühl. Das Argument, auch unter Clinton wäre der Kyoto-Vertrag nie ratifiziert worden, ist zwar richtig, hilft aber nicht weiter. Der US-Kongress ist gegenüber internationalen Abmachungen traditionell skeptisch. Der Senat hat sich bereits in mehr als 60 Fällen geweigert, von der Regierung ausgehandelte Verträge zu ratifizieren. Der Tendenz zum Unilateralismus aber haben zumindest die meisten US-Regierungen bislang getrotzt. Unter Bush besteht die Gefahr, dass er sich zum Sprachrohr solcher Stimmungen macht, anstatt sie zu bekämpfen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar