Meinung : Lärm ist Lifestyle

„Berlins Clubs sind bedroht“ vom

10. September

Laut CDU-Baustadtrat Spallek sind „Zugezogene mit einer falschen Erwartungshaltung“ schuld an Lärmschutzbeschwerden wegen Partylärms. Sein Vorschlag, touristische Hotspots zu definieren, in denen die ganze Nacht nach Herzenslust getrunken werden darf, verdreht Ursache und Wirkung. Etwa im Kreuzberger Wrangelkiez hat sich nämlich binnen der letzten vier Jahre überhaupt erst die touristische Ausgehkultur entwickelt. Als ich in die Cuvrystraße zog, gab es dort keine Clubs, keine Kneipen, keine Touristen. Diese kamen später und mit ihnen der Lärm. Schließlich sah ich mich gezwungen, wegzuziehen. Aber selbst wenn es „Zugezogene“ wären, die sich über den Lärm beschweren, stellt sich die Frage, wie Herrn Spalleks Vorstellungen davon, dass man fehlende Nachtruhe nun mal in Kauf nehmen müsse, mit der Zielgruppe, die Vermieter ob der Quadratmeterpreise, die sie in Kreuzberg und anderen In-Kieze verlangen, anvisieren, vereinbar ist. Gleichzeitig zahlungskräftiges Klientel – das im Zweifelsfall arbeiten und schlafen möchte – statt (Lebens-)Künstler, Studenten und Arbeitslosen anlocken zu wollen, aber betrunkene Touristen als eine Naturgewalt darzustellen, mit der man sich abfinden müsse, ist zynisch.

Philipp von dem Knesebeck,

Berlin-Kreuzberg

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben