Meinung : Lärmproduzenten und Tomatenzüchter

„Senioren an die Front“ vom 15. März

Die Autorin, Frau Sauerbrey, fährt wahrscheinlich nicht oft mit der Regionalbahn, sonst wüsste sie, dass zum Beispiel werktags Schüler einsteigen, die zwar nicht „Winzersekt“ trinken, aber ganz schön laut sein können. Weiterhin streiten sich am Wochenende oft Fahrradfahrer jüngeren Alters um Stellplätze in Fahrradabteil. Fährt man mit dem ICE zwischen 18.00 und 20.00 Uhr von Leipzig nach Berlin, so ist das Rascheln beim Auspacken der in Bahnhof gekauften Baguette, Panini etc. ganz schön laut. Diejenigen, die mit den Papiertüten rascheln, sind meistens noch unter 40 Jahren, es sind wahrscheinlich Pendler. Was macht man mit all diesen Lärmproduzenten?

Wie kann man sie einer nützlichen Tätigkeit zuführen, damit im Zug Ruhe herrscht? Der Unterschied ist natürlich, dass alle diese Personen noch ökonomisch aktiv sind, oder die die Hoffnung besteht, dass sie es einmal werden. Das betrifft auch die junge Frau, die vergeblich versucht, am Laptop eine wissenschaftliche Arbeit zu formatieren. Ihr kann ich nur aus Erfahrung raten, das zu Hause zu tun.

Und das mit dem „Eierlikörchen“ ist wohl auch überholt. Die moderne Rentnerin trinkt Spritz.

Und was den Titel betrifft, so ist es nur gut, dass diejenigen, die mit dem Wort „Front“ noch konkrete Erlebnisse verbinden, zum größten Teil schon tot sind, denn diese hätten sich wohl bis auf wenige Ausnahmen für so einen Vorschlag bedankt.

Und es heißt nicht „Rüstig Reisende Rentner“, weil man nicht rüstig reisen kann. Wenn schon, dann rüstige reisende Rentner. Und zu „Silver-Ager“ kann ich nur sagen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Die „Gold-Ager“ sind dann diejenigen im Grab oder im Pflegeheim. Jetzt muss man nur noch von den restlichen 63 Prozent der Rentner diejenigen, die noch rüstig sind, sinnvoll beschäftigen, dann herrscht Ruhe im Zug.

Ingrid Stuchlik, Berlin-Schöneberg

Wie kommt frau zu dieser Überschrift? Ich finde sie ziemlich unpassend, zumal die angesprochene Generation zu Beginn ihrer Lebenszeit im oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg unmittelbar von dessen Folgen betroffen war. Meines Erachtens ist die Überschrift auch in Bezug auf kommende Seniorengenerationen unangemessen.

Für viele meiner Generation ging es mit 15, 16 Jahren darum, schnell in einen Beruf einzusteigen, um Geld zu verdienen und die Eltern zu entlasten. Studium oder auch nur das Abitur waren für viele deswegen unerreichbare Ziele. Nach 40, 45 oder mehr Berufsjahren sind diese Menschen jetzt Rentnerinnen und Rentner. Alle haben in das System eingezahlt, der überwiegende Teil hat Kinder erzogen, und sehr viele haben sich während ihrer aktiven Zeit ehrenamtlich engagiert. Mit der lapidaren Feststellung „es gibt zu viele Senioren“ wird die Lebensleistung dieser Generation herabgewürdigt. Heutige Rentnerinnen und Rentner haben den relativen Wohlstand und die gute Ausbildung vieler jüngerer Menschen erarbeitet.

Ein wichtiger Reiz des Ruhestandes ist es, die Lebenszeit frei gestalten zu können. Für viele gehört das Reisen dazu, andere, besonders viele Frauen, können sich das jedoch finanziell gar nicht leisten. Für andere gehört eben meinetwegen das „Tomatenzüchten“ dazu, für sehr viele auch die Betreuung von Enkelkindern und die Übernahme von Ehrenämtern, aber bitte wirklich freiwillig und ohne moralischen Druck. In Kindertagesstätten und Schulen sollten Fachkräfte eingestellt und nicht durch Freiwillige ersetzt werden.

Edith Drefs, Berlin-Spandau

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