Meinung : Laien oder Lehrer

Leser im Disput zu „Wer darf kranke Lehrer vertreten?“ vom 29. Mai

Lassen wir mal den Ausfall von Unterricht aufgrund von Lehrererkrankung außer Acht; denken wir lieber darüber nach, wie viel Unterrichtsstunden aus anderen Gründen verloren gehen. Ein Beispiel dafür sind zum Beispiel die völlig nutzlosen, aber sehr zeitaufwendigen MSA-Prüfungen, die gerade jetzt stattgefunden haben. Nutzlos insofern, als die Schüler nur die Noten erfahren, aber nie die korrigierten Arbeiten zu sehen bekommen; aus ihren Fehlern können sie also nichts lernen. Zeitaufwendig, weil für die vorgeschriebene Präsentation und die mündliche Englisch-Prüfung der einzelnen Schüler viele Lehrer gebraucht werden, die in der Zeit ihren eigentlichen Unterricht nicht wahrnehmen können.

Christa Krüger, Berlin-Schöneberg

Ich stimme Ihnen ein wenig zu, dass es für Vertretungsklassen besonders schwer ist, Laien oder oft auch Lehrer zu ertragen, die, so meine Erfahrung, von didaktisch-pädagogischen Finessen wenig Ahnung haben und sich diese erst nach dem Studium mühsam beibringen müssen. Da ich Fachlehrer für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Englisch, Sport und Pädagogik/Psychologie war und mich systemisch sehr gut auskenne, weiß ich bei der Vielfalt an Fächern, was es bedeutet, Vertretungsunterricht zu geben. Vertretungsunterricht ist für mich eine bildungspolitische Kapitulation besonders in einem Staat wie der Bundesrepublik Deutschland.

Es ist weitaus mehr: Es ist eine Bankrotterklärung der Menschen, die im föderalistischen System der BRD glauben, bildungsgerecht das Sagen zu haben, und da hilft leider auch nicht der verzweifelte Versuch pragmatischer Herangehensweise an die Bildungskrise.

OStudRat a. D. Uwe Rakow, Kirn

Zwölf Jahre lang bin ich in Berlin-Wilmersdorf zur Schule gegangen. Auch unsere Tochter hat 13 Jahre lang die Schulbank gedrückt, in Berlin-Steglitz. So lange ich denken kann, gab und gibt es in Berlin sogenannte Schulreformen, stets wurde Unterrichtsausfall ausgerufen, immer waren und sind zu viele Schüler in einer Klasse usw. Eigentlich ist in unregelmäßigen Abständen lediglich die Einschulung der Erstklässler vom Frühjahr auf den Sommer respektive vom Sommer auf das Frühjahr verschoben worden. Ich erinnere mich an eine Schulsenatorin, die, wenn drängende Fragen oder Forderungen auf sie niederprasselten, lediglich sagte: „Da werden wir schauen, da werden wir sehen, da werden wir gucken“. Und das war’s dann mehr oder minder. Die Schüler sitzen am kürzeren Hebel, nicht die Lehrer!

Sie liegen mit Ihren Einschätzungen für mich total richtig und Ihre Ideen und Vorschläge sind prima!

Inge Seidel, Berlin-Lichterfelde

Bei näherer Betrachtung finde ich Ihren Vorschlag großartig,, weil er uns Lehrern nur Vorteile bringt, nämlich:

1. Vertretungsunterricht – egal, wer ihn macht – hält die Schüler geistig auf Trab, auch wenn der Lehrer schlappmacht. Somit ist kontinuierliches, ja sogar lebensnahes Lernen gewährleistet.

2. Wir Lehrer müssen endlich kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn wir uns „krankmelden“, weil unser „Kranksein“ nicht mehr zulasten der Kollegen geht.

3. Und schließlich würde die Umsetzung Ihres Vorschlages erheblich zur Gesunderhaltung der Lehrerschaft beitragen, weil – von dem leidigen schlechten Gewissen und übertriebenem Pflichtgefühl entbunden – sich höchstwahrscheinlich noch mehr Lehrer noch öfter „krankmelden“ könnten und wohl auch würden.

Insofern kann ich nur hoffen, dass Ihr Vorschlag bei den zuständigen Instanzen Gehör findet und möglichst bald in die Tat umgesetzt wird. Bleibt nur die Frage, wer dann das Ganze organisiert.

Ingrid Willer, Berlin

Seit zehn Jahren werden keine vernünftigen Gehälter mehr an Beamte und Angestellte gezahlt. Teilweise mussten Behördenmitarbeiter seit der Wende einen Reallohnverlust von bis zu 15 Prozent hinnehmen. Die Gehälter sind noch immer nicht an die Zahlungen im übrigen Bundesgebiet angeglichen worden! Und die Lehrer haben besonders zu leiden, weil sie noch ungerechter bezahlt werden. Viele Lehrer wandern deswegen schon ab in andere Bundesländer. Und die Stellenstreichungen sollen laut Finanzsenator Nußbaum weitergehen. Wo soll das noch hinführen?

Thomas Henschke,

Berlin-Waidmannslust

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